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Hinein ins Innerste mit der Bundeswehr

 

und ein Blick in die Zukunft. Ein Kommentar von Siegfried Jäger. Erschienen in DISS-Journal 24 (2012)

Eigentlich ist schon alles dazu gesagt: Die Bundeswehr darf auch im Inneren eingesetzt werden – auch auf dem König-Heinrich-Platz in München, in Duisburg oder anderswo! Aber nur im äußersten Notfall.1 Wenn die Polizei es nicht schafft. Wie bei Fluten, wenn die Flüsse über die Ufer treten. Schöne Bilder, schöne Kollektivsymbole, die das Schlimmste fürchten machen. Wie war das noch in den 1990er Jahren, als deutsche Soldaten noch nicht an den Hindukusch durften? Der damalige Verteidigungsminister nahm das GG noch ernst, damals: Die deutsche Bundes-Wehr-Macht durfte nur eins: Deutsche Lande verteidigen, wie das Gesetz es befahl. Und natürlich ein bisschen marschieren. Denn, so Verteidigungsminister Rühe 1992 im Spiegel, die Deutschen sind noch nicht so weit. Doch Geduld! Als gelernter Diskursstratege weiß ich (also Rühe), so etwas braucht Zeit. Schritt für Schritt; bloß nicht mit der Waffe ins Haus fallen. Das bisschen Blauhelme haben wir ja schon, was ja auch nicht leicht war. Das aufkommende Gemeckere der ewigen Bedenkenträger ist schon im Sack. Den Rest werden wir, mit Unterstützung unserer Medien, schon noch hinkriegen. Irak, Afghanistan, na ja! Da reden wir erst mal nicht drüber. Aber die Aussichten sind prima: Die Taliban, unsere Verantwortung, die Frauen, die Kinder, die Terroristen – nun ja, eben Schritt für Schritt für Schritt. Den Diskurs nur nicht abbrechen lassen. Nichts übers Knie brechen. Und die Toten? Auch kein Problem. Das machen wir wie immer schon: Dulce et decorum est pro patria mori, mit Trauerfeier und Foto. Und zu Hause im Lehnstuhl weiterträumend: Wenn wir dann so weit sind und kein Land der Welt mehr auf uns verzichten kann, dann haben wir ja auch noch uns selbst: Deutschland. Die Polizei ist ja jetzt schon überfordert – bei dem Verkehr, den sie regeln muss, und der immer mehr wird. Schaut doch mal nach New York oder Tel Aviv oder nach Griechenland oder nach Tunesien und Kairo und und und. Da winkt doch Arbeit für unsere Jungs. Und man kann ja nie wissen, wie lange die braven Deutschen noch brav sind. BILD ist ja auch nicht mehr, was sie war und Angela auch nicht, diese Kapital-Demokratin mit dem sozialen Spleen. Da müssen wir bereit sein und uns auf das Schlimmste vorbereiten, und das Schlimmste ist das Volk. Das hat ja auch Honecker zu spüren bekommen. Wo kommen wir denn hin, wenn alle meinen, sie sind das Volk und wollen herrschen. Demokratie? Na klar, aber eine, die ruhig bleibt und nicht muckt. Also: Demonstrieren können sie ja, diese Blöd-Volksfanatiker, jedenfalls ein bisschen und mit Sinn und Verstand. Doch wer weiß, wie lange das hält. Die halten ja jetzt schon das Maul, und das ist sehr verdächtig. Was passiert, wenn alle das tun? Die schweigen uns womöglich kaputt oder rufen gar: keine Gewalt! Darauf müssen wir vorbereitet sein. Wo kämen wir denn hin? Deshalb: Üben, üben, üben! Natürlich sachte, mal die Knüppel zeigen und ein paar andere Instrumente, auch mal ein paar Leute erschlagen, nur so zur Abschreckung. Und wenn das nicht reicht, dann lassen wir uns noch was anderes einfallen: Das Schweigen verbieten! Denn wer schweigt, der denkt womöglich. Und das kann ganz gefährlich werden, weil: Schweigen ist Gold, das wissen wir ja, und Reden ist nur Blech. Und Gewalt ist ja wirklich schlecht, die Gewalt der Schweigenden. Da müssten wir vielleicht ein paar Drohnen haben, die überall hin gucken können und jeden Schweiger sofort erkennen und verhaften können, zur Not mit einer oder ein paar Raketen, die ja keine Verantwortung haben für das Töten, das ja unvermeidlich sein kann, so Gott will und zu dem ich bete. Sag mir keiner, ich träume; ich bin schließlich Realist: Schritt für Schritt für Schritt. Also Marsch!

  1. Beim Ausnahmezustand? Und wer ruft ihn wann aus? []

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