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Wer zieht für die AfD in den Bundestag?

 

Wer zieht für die AfD in den Bundestag?

Von Marcel Kutzpiol und Patrick Märtens

Laut neuesten Umfragen steht die AfD im Bund zwischen 7 und 9 Prozent. Damit könnte sie nach der nächsten Bundestagswahl mit knapp 60 Abgeordneten ins Parlament einziehen. Die AfD hat für die Wahl insgesamt 235 KandidatInnen aufgestellt. Der Flügelkampf der AfD zwischen dem völkisch-nationalen Flügel, repräsentiert durch Björn Höcke, und dem gemäßigt nationalen Flügel, repräsentiert durch Frauke Petry, zeichnet sich auch auf den Landeslisten ab.

Die folgende Analyse soll auf der Basis öffentlich zugänglicher Informationen eine Einschätzung möglich machen, wie rechts die AfD-Fraktion im Bundestag nach der Wahl im September sein könnte. Dabei ist die zentrale Frage: Wer sitzt ab September für die AfD im Parlament?

Die Rechtsaußen-Vertreter

Auf den Landeslisten der AfD lassen sich 98 Personen finden, die Höcke direkt unterstützen, Verbindungen zu anderen rechten Parteiströmungen und Organisationen haben und, sofern sie gewählt werden, wahrscheinlich auch im Bundestag den Rechtsaußen-Kurs der Partei mittragen werden. Viele von ihnen sind direkt dem Flügel, einer rechten Sammlungsbewegung innerhalb der AfD, zuzuordnen. Sie haben die Erfurter Resolution unterzeichnet oder bekennen sich anderweitig zu Höcke oder dem Co-Initiator der Erfurter Resolution André Poggenburg. Die Erfurter Resolution wurde im März 2015 von Höcke und Poggenburg vorgestellt und gilt als Gründungs- und Positionspapier des Flügels. Die UnterzeichnerInnen der Erfurter Resolution wollen die AfD unter anderem als „Widerstandsbewegung […] gegen die Aushöhlung […] der Identität Deutschlands“ und „die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte“ verstanden wissen. 1

Stephan Brandner 2, Spitzenkandidat der AfD in Thüringen, behauptet, es passe „kein Blatt Papier“ zwischen ihn und Höcke. Der Bremer Landeschef und Spitzenkandidat Frank Magnitz 3 pflegt laut AfD Watch Bremen eine intensive politische Freundschaft zu Höcke und kündigte eine intensive Zusammenarbeit der Landesverbände Bremen und Thüringen an. Zum rechten Parteiflügel zählen auch die UnterstützerInnen der Patriotischen Plattform. Der u.a. von Hans-Thomas Tillschneider ins Leben gerufene „Zusammenschluss aus Parteimitgliedern“ fordert eine „Festung Europa“ an Stelle der EU, stellte sich nach dessen Dresdener Rede hinter Björn Höcke und solidarisierte sich nach dem jüngsten Giftgasangriff in Syrien mit Baschar al-Assad. Auf den Landeslisten der AfD findet man neben SympathisantInnen und UnterstützerInnen der Patriotischen Plattform auch den Schriftführer und Landtagsabgeordneten der Patriotischen Plattform Alexander Tassis 4 aus Bremen und die Vorstandsmitglieder der Plattform Daniel Schneider 4 aus Sachsen-Anhalt und Benjamin Nolte 4 aus Bayern.

Während die AfD intern noch um ihren Umgang mit PEGIDA streitet, finden sich unter den BundestagskandidatInnen auch einige UnterstützerInnen von PEGIDA, deren Ablegern oder PEGIDA-nahen Organisationen. Stefan Keuter 5 aus NRW ist bereits 2015 als Redner bei PEGIDA-NRW in Duisburg aufgetreten. Christine Anderson 6 aus Hessen, die schon bei den Freien Bürgern für Deutschland auftrat, hielt auch eine Rede bei PEGIDA in Wuppertal. Frauke Petry 7 bemüht sich zwar öffentlich um Distanz zu PEGIDA, doch mittlerweile geben sich auch sächsische Listenkandidaten bei den Patriotischen Europäern die Klinke in die Hand. Zuletzt sprachen dort der Dresdner Richter Jens Maier 8 und der Malermeister Thomas Goebel 9. Siegbert Droese 10 aus Leipzig kann sich eine gemeinsame Großdemonstration mit PEGIDA in Leipzig vorstellen und Mario Aßmann 11, ebenfalls aus Sachsen, soll den PEGIDA-Demonstrationen in Dresden einen Lautsprecherwagen zur Verfügung gestellt haben. Sowohl Droese als auch Aßmann sind zudem Unterzeichner der Erfurter Resolution.

Vor allem bei den jungen AfD-Mitgliedern lassen sich Kontakte zur Identitären Bewegung (IB) und zu Burschenschaften feststellen. Einige davon haben es auch auf die Landeslisten der AfD geschafft. Jörg Sobolewski 12 zum Beispiel sitzt im Vorstand der Jungen Alternative (JA) in Berlin, war Sprecher des Dachverbands Deutsche Burschenschaft und Mitglied der Burschenschaft Gothia. Robert Teske 13 hat den Bremer Landesverband der JA mitgegründet und soll Kontakte zu Burschenschaften und der Identitären Bewegung haben. Unter anderem lief er bei einer Demo der IB in Berlin mit. Außerdem betreibt er den rechten Youtube-Kanal 90 Grad. Julian Schmidt 14 war Mitgründer der JA Marburg-Biedenkopf und arbeitete dort auch mit dem Burschenschafter und ehemaligen Obmann der Identitären Bewegung in Deutschland, Nils Grunemann 15, zusammen. Delphine Thiermann 16 ist stellvertretende Vorsitzende der JA Hamburg und soll enge Kontakte mit der Identitären Bewegung und der Hamburger Burschenschaft Germania pflegen. Der Spitzenkandidat der JA, Andreas Bleck 17 aus Rheinland-Pfalz, hat ebenfalls Bezüge zu Rechtsaußen. Er soll bei der rechtspopulistischen Bewegung Pax-Europa aktiv sein und gilt als Sympathisant von Politically Incorrect.

Benjamin Nolte 18 aus Bayern musste wegen seiner Mitgliedschaft in der Burschenschaft Danubia seinen Posten als stellvertretender Vorsitzender der JA abgeben. Kontakte zur IB und zu Burschenschaften gibt es allerdings nicht nur bei der Jungen Alternative. Alexander Wolf 19, der auf Platz 2 der Landesliste in Hamburg steht, trat 1989 der vom Verfassungsschutz beobachteten Münchener Burschenschaft Danubia bei. Nach Beendigung seines Studiums 1994 wurde er „Alter Herr“ in der Burschenschaft. Außerdem war er während seines Studiums Mitgründer des Republikanischen Hochschulverbands. Andreas Lichert 20 aus Hessen betrieb eine Projektwerkstatt, die den Identitären als Treffpunkt diente, und ist Vorsitzender des Trägervereins der neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS).

Um sich dem Vorwurf des Rechtsextremismus zu entziehen, führt die AfD eine umfangreiche Liste mit Organisationen und Parteien, deren Mitglieder von einer AfD-Mitgliedschaft ausgeschlossen sind. Auf dieser sogenannten Unvereinbarkeitsliste stehen unter anderem die NPD und der bayrische Landesverband der Partei Die Freiheit. Allerdings ist die AfD bei Kontakten zu diesen Parteien scheinbar weniger streng. Tim Ballschuh 21 aus Sachsen-Anhalt etwa besuchte in seiner Jugend eine Reihe von NPD Veranstaltungen und taucht laut Recherchen der Mitteldeutschen Zeitung auf einer Mitgliederliste der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten in Sachsen-Anhalt auf. Dem saarländischen AfD-Landesverband drohte 2016 die Auflösung wegen der Kontakte seines Landeschefs Josef Dörr 22 zur extremen Rechten und NPD-Mitgliedern. Die Listenkandidaten Thomas Seitz 23 (Baden-Württemberg), Sebastian Münzenmaier 24 (Rheinland-Pfalz), Florian Jäger 25 (Bayern) und Ulrich Oehme 26 (Sachsen) sind ehemalige Mitglieder der Partei Die Freiheit. Sebastian Münzenmaier muss sich außerdem seit Juli 2017 wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Raubs vor Gericht verantworten. Er soll 2012 an einem Angriff auf Mainzer Fußballfans beteiligt gewesen sein. Ulrich Oehme nahm im April 2016 an einem Stammtisch der Patriotischen Plattform teil.

Markus Frohnmaier 27 (Baden-Württemberg) soll, laut Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 und der Badischen Zeitung, Aktivist bei der German Defence League und ebenfalls in der Partei Die Freiheit gewesen sein. Frohnmaier bestreitet beides, steht aber, als Erstunterzeichner der Erfurter Resolution, dem Höcke-Lager nahe.

Auf den Landeslisten sind auch Autoren für die neu-rechten Zeitschriften Junge Freiheit und Sezession vertreten. Der „Parteiphilosoph“ der AfD, Marc Jongen 28 aus Baden-Württemberg, ist Autor der Sezession und hat auch Artikel für die Junge Freiheit geschrieben. Der geschichtsrevisionistische Historiker und Unterzeichner der Erfurter Resolution Stefan Scheil 29 aus Rheinland-Pfalz arbeitet mit der Jungen Freiheit, der Sezession und Götz Kubitscheks Verlag Antaios zusammen.

Trotz der Bemühungen der AfD, sich als bürgernahe Volkspartei darzustellen, zeigen sich auch auf den Landeslisten für die Bundestagswahl zahlreiche Verstrickungen von Parteimitgliedern in die extrem rechte Szene. Viele der Höcke-Anhänger und Rechtsaußen-Vertreter der Partei stehen zudem weit oben auf den Listen und haben gute Chancen in den Bundestag einzuziehen. Und dass eine Personalie wie Benjamin Przybylla 30 überhaupt einen, wenn auch aussichtslosen, Listenplatz erhalten hat, zeigt, wie wenig ernst es der AfD damit ist, sich von extremen Rechten zu distanzieren. Vor kurzem hat der Kreisverband Zwickau Przybylla das Vertrauen entzogen, weil er Kontakte zur gewaltbereiten Neonaziszene und zum rechten YouTube-Kanal Kara Ben Nemsi TV unterhalten haben soll. Am 20.06.2017 gab der Zwickauer Kreisverband den Rückzug von Przybylla, zumindest als Direktkandidat, bekannt.

Die Gemäßigten, oder: die weniger Rechten

40 der 235 BundestagskandidatInnen der AfD lassen sich mehr oder weniger eindeutig der gemäßigten Strömung der Partei zuordnen. Dabei handelt es sich in erster Linie um UnterstützerInnen Frauke Petrys und ihres Zukunftsantrags, mit dem sie die AfD beim Bundesparteitag 2017 in Köln auf einen „realpolitischen“ Kurs festlegen wollte. Auch wenn die Gruppe um Petry mittlerweile als die „Gemäßigten“ gilt, sollte man nicht vergessen, dass Petry als Machtpolitikerin und Opportunistin auch um die Unterstützung des rechten Parteiflügels warb. Petry hat in der Vergangenheit vor allem mit ihrer Forderung, den Begriff völkisch wieder positiv zu besetzen und der Befürwortung des Schusswaffengebrauchs als „Ultima Ratio“ zum Schutz der deutschen Grenze, für Aufsehen gesorgt. Manche der gemäßigten KandidatInnen, wie Bernd Baumann 31 aus Hamburg und Kathrin Koch 32 aus Rheinland-Pfalz beschwören die innerparteiliche Einheit und stellen sich auf keine Seite, sondern sind prinzipiell gegen Flügelkämpfe. Andere lassen sich noch am ehesten als Protestmitglieder der AfD bezeichnen. Jörn König 33 aus Niedersachsen beschreibt sich selbst als solches. Karsten Hilse 34 aus Sachsen könnte man ebenfalls einen Protestpolitiker nennen. Hilse war 1991 bei der Neonazi-Attacke auf Hoyerswerda als Polizist im Einsatz, trat dann wegen der Kommunalpolitik in die AfD ein und steht jetzt auf der Landesliste der AfD in Sachsen, obwohl er mit seiner eigenen Partei fremdelt. Hilse äußert sich kritisch über AfD-PolitikerInnen, die gegen Flüchtlingsheime demonstrieren und über Alexander Gaulands Aussage, „die Leute“ wollten „einen wie Boateng“ nicht als Nachbarn.

Die „Unauffälligen“

Ein großer Teil (97 von 235) der BundestagskandidatInnen der AfD war bisher zu unauffällig und zu wenig in Öffentlichkeit und Medien präsent, als dass man ihre politische Ausrichtung in der Partei bewerten könnte. Darunter sind einige Mitglieder des Mittelstandsforums, dessen Rolle in der Partei insgesamt schwer zu beurteilen ist. Noch unter Lucke gegründet, wirkt das Forum auf den ersten Blick wie ein Rest der alten „Ökonomen“-AfD. Hans-Jörg Müller 35, Gründer und Vorsitzender, wollte sein Forum während des Streits zwischen Lucke und Petry noch neutral halten, trat mittlerweile aber auch gemeinsam mit Björn Höcke auf, unterzeichnete die Erfurter Resolution und hielt am 13.08.2016 eine Rede, in der er von einem von der Bundesregierung geplanten Bevölkerungsaustausch und einem bevorstehenden deutschen Bürgerkrieg sprach. Inwiefern sich die Ansichten der einzelnen Mitglieder mit der Zeit nach rechts verschoben haben, lässt sich allerdings nicht generell sagen.

Daneben stehen auf den Landeslisten der AfD auch einige StaatsdienerInnen, darunter der brandenburgische Oberstaatsanwalt Roman Reusch 36 und die Berliner Richterin Birgit Malsack-Winkemann 37 oder auch die Bundespolizisten Wilko Möller 38 (Brandenburg) und Lars Herrmann 39 (Sachsen). Beamte sind in Deutschland an das Mäßigungsgebot gebunden und dürfen sich daher politisch nicht radikal äußern. Welche politische Richtung die Beamten unter den AfD-Politikern vertreten, wird sich wohl erst nach der Wahl im September herausstellen. Einen Vorgeschmack lieferte der Oberstaatsanwalt Roman Reusch, der auf Platz zwei der Landesliste Brandenburg steht, im April dieses Jahres. Er sah Deutschland bei seiner Bewerbungsrede im Januar auf dem Weg in eine „islamische Republik“. Wegen dieser Aussage wird er während seines Wahlkampfs von der Dienstbehörde beobachtet. Gegen Wilko Möller läuft ein Disziplinarverfahren, weil er auf Facebook die Wehrmachtsparole „Klagt nicht, kämpft“ geteilt hatte. Einige Beamte kümmern sich aber auch schon vor der Wahl nicht mehr viel um das Mäßigungsgebot. Björn Höcke 40 ist zwar während seiner Arbeit als Parlamentarier Beamter „außer Dienst“ und daher nicht an das Gebot gebunden, der Präsident des deutschen Lehrerverbandes bezeichnete es allerdings als eine „sehr fragwürdige Angelegenheit“, falls Höcke jemals wieder in den Schuldienst zurückkehren sollte.

Dem Dresdener Richter Jens Maier wurden in erheblichem Maß Kompetenzen entzogen, nachdem er im Januar 2017 als Vorredner Höckes auf der Veranstaltung der JA in Dresden den deutschen „Schuldkult“ für beendet erklärt und sich gegen eine „Herstellung von Mischvölkern“ gewandt hatte.

Zur Einschätzung, wie sich die AfD-Fraktion im Bundestag verhalten könnte, lohnt sich ein Blick in die Landesparlamente. Mittlerweile ist die AfD in 13 Bundesländern als Oppositionspartei vertreten.

WZB Studie über die AfD in Landtagen

Eine kürzlich vom „Wissenschaftszentrum Berlin“ (WZB) und der Universität Kassel veröffentlichte Studie 41, die das Verhalten von 153 AfD Abgeordneten in deutschen Landtagen untersucht, kommt zu einer ähnlichen Einteilung wie diese Analyse. Für die Autoren Wolfgang Schroeder, Bernhard Weßels, Christian Neusser und Alexander Berzel besteht die AfD aus „situativ Empörten“, „Rechtspopulisten“ und „Rechtsextremisten“. Laut der Studie ist die AfD in den Landtagen eine deutlich von Männern dominierte Partei. 85% der Abgeordneten sind männlich. Auf den Landeslisten zeigt sich ein ähnliches Bild: 87% männliche Listenkandidaten und nur 13% weibliche.

Die Studie kommt weiterhin zu dem Schluss, dass auf den hinteren Listenplätzen zu den Landtagswahlen viele politisch unerfahrene „Zufallskandidaten“ aufgestellt wurden. Die Autoren erklären diesen Umstand damit, dass es der Partei schwergefallen sei, eine ausreichende Anzahl von Bewerbern zu finden. Überträgt man diese Erklärung auf die Listen für die Bundestagswahl, würde das die hohe Anzahl der Unauffälligen, also der politisch in der Vergangenheit wenig in Erscheinung Getretenen, erklären, auf die die AfD zurückgreifen musste, um ihre Landeslisten zu füllen.

Die Autoren stellen in der Studie fest, dass sich die Flügelkämpfe der AfD auch in der Parlamentsarbeit der verschiedenen Fraktionen niederschlagen. Sie teilen die Fraktionen in „parlamentsorientierte“ auf der einen und „bewegungsorientierte“ auf der anderen Seite ein. Die parlamentsorientierten Fraktionen bewegen sich demnach auf einem eher realpolitischen Kurs, wie ihn Frauke Petry für die Partei gefordert hat, während die Bewegungsorientierten den an Höcke angelehnten Kurs einer „fundamentaloppositionellen Bewegungspartei“ in den Parlamenten einschlagen und an parlamentarischer Arbeit kaum Interesse zeigen. Da auch auf den Listen zur Bundestagswahl beide Lager vertreten sind, ist zu erwarten, dass es in der Bundestagsfraktion dementsprechend Konflikte geben wird, was die Etablierung der AfD als mögliche Koalitions- und Regierungspartei erschweren würde.

Auch die Unterschiede zwischen den Landesverbänden bezüglich ihrer politischen Ausrichtung werden von der Studie bestätigt. Die Landtagsfraktionen in Thüringen und Sachsen-Anhalt werden von den Autoren der bewegungsorientierten Richtung zugeordnet. Analog dazu stehen auch die Listenkandidaten der beiden Bundesländer mehrheitlich für den völkisch-nationalen Flügel der Partei. Demgegenüber werden die Fraktionen in Rheinland-Pfalz und Berlin als eher parlamentsorientiert beschrieben. Auch die Zusammensetzung der Bundestagslisten dieser Länder lässt auf eine gemäßigte politische Ausrichtung schließen.

Fazit

Von sehr vielen AfD-KandidatInnen kann nicht gesagt werden, welcher politischen Strömung sie angehören. Zwar scheinen die Rechten auf den Landeslisten auf den ersten Blick zu überwiegen, doch da die Gruppe der Unauffälligen einen großen Teil der KandidatInnen ausmacht, lässt sich insgesamt keine klare Dominanz der Rechten feststellen. Allerdings finden sich vor allem auf den aussichtsreichen vorderen Listenplätzen viele Anhänger Höckes und Personen mit Verbindungen in die extreme Rechte. Legt man ein Wahlergebnis von 8,5 Prozent für die AfD zugrunde und schätzt die Wahlergebnisse in den Ländern aufgrund aktueller Umfragen, kann man ungefähr ausrechnen wer über die Landeslisten für die AfD in den Bundestag ziehen wird (siehe Tabelle unten). Von 58 Abgeordneten, die demnach eine Chance auf ein Mandat hätten, lassen sich 32 dem rechten Spektrum zuordnen, 12 den Gemäßigten und 14 den Unscheinbaren. Damit wären die Rechtsaußen in der AfD-Fraktion in der Mehrheit.

Zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede bei der Flügelzugehörigkeit.

Während zum Beispiel der Landesverband NRW eher gemäßigt auftritt, stellt sich der Landesverband Sachsen-Anhalt 42 laut Poggenburg geschlossen gegen Petry und gilt insgesamt als Vertreter des völkischen Flügels. Für den saarländischen Landesverband, dem noch vor kurzem wegen der Kontakte in die rechte Szene die Auflösung drohte, stehen für die Bundestagswahl eher unscheinbare Kandidaten auf der Liste. Der Landesverband Sachsen hat zwar Frauke Petry auf Platz 1 der Landesliste gesetzt, nominiert aber auch auffällig viele Flügel-nahe Kandidaten. Parteimitglieder, die dem völkisch nationalen Flügel der Partei zuzuordnen sind, gibt es letztendlich in allen Landesverbänden. Auch wenn die AfD immer wieder behauptet, die Rechten in der Partei wären Einzelfälle, kann bei einer genaueren Betrachtung der Listenkandidaten für den Bundestag von Einzelfällen kaum eine Rede sein. Viel eher stellt der vermeintlich strenge Umgang der Partei mit Rechtsextremisten wie im Fall Gedeon und bei Benjamin Przybylla die Ausnahme dar.

Vermutliche Zusammensetzung der AfD-Fraktion im Bundestag bei einem Wahlergebnis von 8,5 Prozent (Berechnung mit Hilfe von https://www.mandatsrechner.de/)

Bundesland

Abgeordnete

Baden-Württemberg Dr. Alice Weidel

Lothar Maier

Dr. Marc Jongen

Markus Frohnmaier

Thomas Seitz

Jürgen Braun

Martin Hess

Volker Münz

Bayern Martin Hebner

Peter Boehringer

Corinna Miazga

Petr Bystron

Martin Sichert

Hansjörg Müller

Peter Felser

Berlin Beatrix von Storch

Dr. Gottfried Curio

Brandenburg Dr. Alexander Gauland

Roman Reusch

René Springer

Bremen Kein Mandat
Hamburg Dr. Bernd Baumann
Hessen Mariana Harder-Kühnel

Joana Cotar

Uwe Schulz

Jan Nolte

Albrecht Glaser

Martin Hohmann

Mecklenburg-Vorpommern Leif-Erik Holm

Enrico Komning

Niedersachsen Armin Paul Hampel

Jörn König

Thomas Ehrhorn

Wilhelm von Gottberg

NRW Martin Renner

Jochen Haug

Prof. Dr. Harald Weyel

Kay Gottschalk

Jörg Schneider

Fabian Jacobi

Rüdiger Lucassen

Udo Hemmelgarn

Uwe Kamann

Dr. Michael Espendiller

Rheinland-Pfalz Sebastian Münzenmaier

Dr. Heiko Wildberg

Andreas Bleck

Saarland Dr. Christian Wirth
Sachsen Frauke Petry

Jens Maier

Siegbert Droese

Detlev Spangenberg

Tino Chrupalla

Prof. Dr. Heiko Hessenkemper

Sachsen-Anhalt Martin Reichardt

Frank Pasemann

Schleswig-Holstein Dr. Bruno Hollnagel
Thüringen Stephan Brandner

Jürgen Pohl

Quellen

  1. Erfurter Resolution

http://www.derfluegel.de/erfurter-resolution/ (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

  1. Stephan Brandner

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Thueringer-AfD-setzt-Stephan-Brandner-auf-Listenplatz-1-fuer-Bundestagswahl-205883643

(zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

  1. Frank Magnitz

Heinrich, Clara (2017) in: der rechte rand, Ausgabe 167/2017, S. 45

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  1. Alexander Tassis, Benjamin Nolte, Daniel Schneider

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  1. Stefan Keuter

Bei PEGIDA in Duisburg: https://www.youtube.com/watch?v=7by68tsaQQg (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

  1. Christine Anderson

bei PEGIDA in Wuppertal: https://www.youtube.com/watch?v=494W5InacEQ (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

bei den Freien Bürgern für Deutschland: https://www.youtube.com/watch?v=7-5cQjVQIEA (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

  1. Frauke Petry

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  1. Thomas Goebel

Bei PEGIDA Dresden: https://www.youtube.com/watch?v=FqK_-Z5ncq0 (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

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Heinrich, Clara (2017) in: der rechte rand, Ausgabe 167/2017, S. 45

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http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-09/hoyerswerda-neonazis-fluechtlingsunterkunft-vertragsarbeiter-polizei-afd/seite-3 (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

  1. Hansjörg Müller

https://deutschelobbyinfo.com/2016/08/17/bevoe%CC%88lkerungsaustausch-geplant-eine-der-besten-reden-von-afd-hans-joerg-mueller/ (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

https://web.archive.org/web/20160105221256/http://www.derfluegel.de/2015/03/23/5-unterzeichnerliste-landesverband-bayern/ (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

http://www.nordbayern.de/region/gunzenhausen/kongress-in-gunzenhausen-kein-heimspiel-fur-die-afd-1.5616283 (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

 

  1. Roman Reusch

http://www.tagesspiegel.de/berlin/afd-politiker-roman-reusch-warnung-vor-islamischer-republik-ruft-justizsenator-auf-den-plan/19619592.html (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

 

  1. Birgit Malsack-Winkemann

https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/04/afd-senator-justiz-polizei-staatsdiener-sympathie.html (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

 

  1. Wilko Möller

https://www.morgenpost.de/brandenburg/article209427519/Zu-Besuch-in-der-AfD-Hochburg-Frankfurt-Oder.html (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

Kames, Sven (2017) in der rechte rand, Ausgabe 167/2017, S. 35

 

  1. Lars Herrmann

http://www.afdsachsen.de/files/afd/landesverband-sachsen/Kandidaten/BTW2017/Lars_Herrmann.pdf (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

 

  1. Björn Höcke

http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/afd-politike-bjoern-hoecke-darf-ein-rechter-verleumder-lehrer-sein-a-431933 (zuletzt aufgerufen am 17.08.2017)

  1. WZB-Studie

https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/die-arbeit-der-afd-in-den-landtagen (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

  1. Landesverband Sachsen-Anhalt

http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/landespolitik/afd-listenparteitag-karsamstag-100.html (zuletzt aufgerufen am 15.08.2017)

Laskowski, Wolfgang (2017) in: der rechte rand, Ausgabe 167/2017, S. 33

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