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Katharina Peters über die mediale Inszenierung von ‚Sinti und Roma‘ in Polit-Talkshows

 

Dieser Beitrag ist entnommen aus dem Buch

NICHTS GELERNT?!
Konstruktion und Kontinuität des Antiziganismus
Katharina Peters / Stefan Vennmann (Hg.)
Situationspresse (Duisburg) 2019
ISBN 978-3-935673-46-4
211 Seiten, 18 Euro

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Sind wir zu intolerant?“

Die mediale Inszenierung von ‚Sinti und Roma‘ in Polit-Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

von Katharina Peters

Seit dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien 2007 gab es zahlreiche Fernsehbeiträge, die sich dem Thema ‚Sinti und Roma‘ widmeten, deren Konjunktur parallel zur Berichterstattung in den Printmedien seit 2010 rapide zunahm und schließlich 2013 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte (vgl. Mihok 2017, S. 107-111). Auch in den Polit-Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens war das Thema in den Jahren 2012-2015 überpräsent, bis die als solche konstruierte ‚Flüchtlingskrise‘ ab dem Sommer 2015 zum alles bestimmenden Thema wurde (vgl. Goebel 2017, S. 22). Die Sendungen setzten sich dabei entweder gezielt mit ‚Sinti und Roma‘ auseinander1 oder thematisieren der Minderheit zugeschriebene Teilaspekte wie ‚Armut‘ oder ‚Delinquenz‘ im Rahmen von Themenschwerpunkten zu ‚Kriminalität‘, ‚EU-Osterweiterung‘, ‚Flucht‘ oder ‚Armutseinwanderung‘. Im Folgenden werden charakteristische Merkmale und Strategien innerhalb der Diskursivierung der Minderheit in den Talkshows entfaltet. Können auch im Rahmen dieses Beitrags keine detaillierten Analysen der einzelnen Sendungsfolgen geleistet werden, so werden doch exemplarisch prägnante und repräsentative Beispiele ausführlicher zur Veranschaulichung herangezogen. In diesem Zusammenhang wird unter Zunahme weiterer Fernsehbeiträge und einer Folge der Krimi-Reihe Tatort außerdem skizziert, wie sich fiktionale und nicht-fiktionale Formate thematisch und strukturell ineinander verzahnen und welche Folgen solche Kopplungen haben können.

Polit-Talkshows als Bühne für rechts-konservative Positionen

Bereits die Titel der einzelnen Folgen im Untersuchungszeitraum 2012-2015 sind in diesem Zusammenhang aufschlussreich. Die durchgängig als Fragen formulierten Sendungstitel können folgendermaßen charakterisiert werden:

Manche der Fragen stellen Antworten, Einschätzungen und Orientierungswissen zum Thema in Aussicht. Andere provozieren eine knappe ‚Ja’- oder ‚Nein’-Antwort und suggerieren klare Positionierungen. Und andere wiederum fordern erst gar keine Antwort, weil das Fragezeichen rhetorischen Status hat, um mit der Frage eine indirekte Behauptung zu setzen oder die Antwort vorzugeben“ (Thiele/Vowe 2015, S.18).

Dementsprechend lassen sich die Titel der einzelnen Folgen auch als Aussagen lesen (vgl. ebd.) und verweisen schon auf die Art der Inszenierung von ‚Sinti und Roma‘ innerhalb der Sendungen als ‚Problem‘: „Ja, jetzt kommen die Armutseinwanderer aus Osteuropa“, „Mafia, Jugend-Banden und Clans haben die Macht auf unseren Straßen“, „Betteln, schnorren, Spenden sammeln – unser Mitleid wird ausgenutzt“. Auffällig ist auch die dominante Etablierung einer ‚Wir‘-Gruppe durch die Verwendung von Pronomen („wir“, „uns“) bereits in den meisten der Sendungstitel. Dieser wird die Gruppe der ‚Anderen‘ diametral gegenüberstellt, sodass Positionen von Anfang an diskursiv gesetzt sind und einem Abweichung negierenden Normalitätsdispositiv2 zuarbeiten. Auch wird Migration durch diesen Dualismus als Ausnahmezustand und vorübergehendes Ereignis behauptet.3 Innerhalb der Sendungen findet zusätzlich eine undifferenzierte Vermischung des diskursiven Komplexes ‚Sinti und Roma‘ mit den Themen ‚Flucht‘, ‚Asyl‘ und ‚Kriminalität‘ statt, sodass in diesem Zusammenhang das Heranziehen einer Analyse des Flucht-Diskurses in politischen Talk-Shows aufschlussreich ist. In dieser macht Simon Goebel dabei drei dominante Diskursstränge aus:

[Erstens,] […] der Identitätsdiskurs, […] der in allen Sendungen in großer Übereinstimmung aller Gäste, Moderationen und Redaktionen bewusst oder unbewusst Menschen nach kulturell-ethnisch-nationalen sowie rechtlichen Kategorien differenziert. Für Geflüchtete bedeutet dies eine nachhaltige ideologische Festschreibung ihrer Fremdheit. […] (2) Ein zweiter Diskursstrang, den die Polittalks allesamt in hegemonialer Weise bearbeiten, betrifft die von vielen Gästen vertretene Auffassung, Geflüchtete würden nur deshalb nach Deutschland einreisen, um dort Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Dagegen steht die Auffassung einiger anderer Gäste, welche auf die große Bedeutung Geflüchteter für den deutschen Arbeitsmarkt [aufgrund des Fachkräftemangels] verweisen. […] Somit werden Geflüchtete in doppelter Weise als ökonomischer Faktor entsubjektiviert. Aussagen im Sinne einer humanitären Unterstützung, die mehr sind als scheinheilige Rhetorik sind deutlich unterrepräsentiert. Eine Forderung, Geflüchtete nicht ungleich zu behandeln, kommt nicht vor. […] [Drittens,] […] [d]er Ordnungs- und Steuerungsdiskurs […] [, der] letztlich auf der ökonomistischen Prämisse [basiert], wonach nationalstaatlich imaginierte Gesellschaften vollkommen rationalisiert werden könnten. In diesem Sinne sind Geflüchtete irrationale, weil klandestine Subjekte, die eigenmächtig Grenzen überschreiten und darauf hin über einen Asylantrag ein Bleibrecht erhalten können. Absurderweise werden sie erst durch das Asylrecht, das ihnen die legale Einreise verwehrt, zur klandestinen Migration gezwungen. Die hegemoniale Normativität der Sesshaftigkeit und der Nationalstaatlichkeit führt zu dem zwingenden Prinzip, dass Menschen nur dann Grenzen überschreiten, wenn sie dies sollen, also wenn sie dies kontrolliert und gesteuert tun. Daher sind Menschen willkommen, die als Arbeitskräfte gebraucht werden, und jene, die als Tourist*innen für finanzielle Einnahmen sorgen. Das Recht auf Schutz für Geflüchtete aber basiert auf rein humanitären Gründen. Dieser Schutz wird von Deutschland, Europa und anderen Staaten nach Kräften torpediert“ (2017, S. 395-397).

Laut Goebel imitieren politische Talkshows dabei lediglich bereits bestehende Diskursformationen auf eine unterhaltsame und aufregende Art und Weise (vgl. ebd., S. 401) und aktualisieren dadurch „jene dominanten und subdominanten (aber nicht subalternen) Vorstellungen, die die Rezipient*innen zufrieden stellen, weil sie sich mit einer der Vorstellungen identifizieren können“ (ebd., S. 404). Auch der ökonomische Determinismus, möglichst hohe Quoten zu erzielen, der sich auch auf die öffentlich-rechtlichen Sender auswirkt, spielt hier eine entscheidende Rolle. Die Sendungen weisen im Durchschnitt außerdem eine unausgewogene Gästeauswahl auf, bei der regelmäßig rechte Diskurspositionen zugelassen werden, sodass rechts-konservative Positionen weniger radikal wirken, bei einer gleichzeitigen Unterrepräsentation linker Positionen (vgl. ebd., S. 390). Gäste, die keine politische Agenda verfolgen und nicht Halbwissen und Vorurteile äußern, welche bestehende Konflikte und Ressentiments befeuern, sondern positive Akzente setzen wollen und alternative Perspektiven anbieten, werden nicht (vgl. ebd., S. 401) oder nur äußerst selten eingeladen. Vielmehr handelt es sich nach Dörner und Vogt bei diesen Debattenshows häufig um ein „Medium der Repräsentation und der Selbstthematisierung der politischen Klasse“ (2004, S. 46). Als Medienprodukt ermöglichen politische Talkshows durch verschiedene Gäste zwar theoretisch ambivalente Positionen, allerdings gelingt es den Sendungen in der Praxis nicht annähernd, bereits bestehende Diskursivierungen von Flucht herauszufordern (vgl. Goebel 2017, S. 401). Stattdessen werden Geflüchtete und Einwander*innen in konstruierten Bedrohungsszenarien als Denormalisierungsgefahr für Recht und Ordnung der europäischen Staaten behauptet (vgl. ebd., S. 398). Außerdem bieten sie (rechts-)extremen Einstellungen und Forderungen, wie sie zum Beispiel Pegida oder die AfD äußern, eine Bühne. Diese werden dadurch vermehrt Teil einer alltäglichen Normalität in der Medienberichterstattung und verändern das Feld des Sagbaren in einer Gesellschaft, sodass menschenfeindliche und rassistische sowie nationalistische Äußerungen vermehrt artikulierbar werden (vgl. Boomgarden zit. n. Ghelli 2017). In den Sendungen findet sich

[…] die Legitimation rassistischer, völkischer oder nationalistischer Agitation […] durch ihre Gleichzeitigkeit mit humanitärer, sozialer und flüchtlingsunterstützender Agitation. Die Redaktionen orientieren sich an diesem angeblichen Meinungsdualismus aus Gegner*innen und Befürworter*innen von Geflüchteten. Doch einerseits begründen sie damit eine Notwendigkeit der Anwesenheit von Repräsentant*innen rassistischer Ideologie und andererseits handelt es sich letztlich nicht um einen Meinungsdualismus im Sinne eines ausgewogenen Meinungsspektrums. Tatsächlich finden sich in den untersuchten Sendungen fast keine Aussagen, die rassistischen, kulturalistischen und neoliberalen Diskurspositionen widerständig oder dekonstruktivistisch begegnen“ (Goebel 2017, S 402).

Dieser scheinbare Dualismus führt auch dazu, dass zahlreiche denkbare Sinnkonzeptionen gar nicht fernsehmedial angeboten werden, sondern die Rezipierenden immer eine schon vorgefilterte Menge solch möglicher Konzeptionen vorfinden (vgl. ebd., S. 403). Die von Goebel konstatierten Merkmale, wie ‚Flucht‘ in den Talkshows behandelt wird, können ebenfalls für die Thematisierung von ‚Sinti und Roma‘ ausgemacht werden. Das von ihm problematisierte Halbwissen, das in den Sendungen aufgegriffenen und produziert wird, zeigt sich unter anderem an der permanenten Vermischung von kulturellen, ethnischen und nationalen Markern in Bezug auf die Minderheit, sowohl seitens eines Großteils der Gäste als auch der Moderator*innen. Häufig wird auch überhaupt nicht zwischen Flucht und arbeitsbedingter Migration unterschieden und die zahlreichen Flucht- und Migrationsursachen werden vermengt oder ausgeblendet. Zusätzlich unterscheiden die Sendungen, die „Zuwanderung“ oder „Flucht“ thematisieren, zwischen ‚guten‘ und ‚schlechten‘ beziehungsweise ‚erwünschten‘ und ‚unerwünschten‘ ‚Flüchtlingen‘. So befragt die hart aber fair-Redaktion (21.10.2013) in einer Straßenumfrage laut eigener Aussage „Menschen mitten aus der Gesellschaft, mitten in Deutschland“, welchen „Flüchtlingen“ „Deutschland“ beziehungsweise „wir“ helfen sollten. Dabei werden den Befragten zwei Fotos hingehalten: das erste mit einem Rettungsboot mit Geflüchteten und eines, das „Tagelöhner aus Osteuropa“ zeigt. Hieran lässt sich verdeutlichen, dass zu ersterer Kategorie konsequent Kriegsgeflüchtete gezählt werden und zu letzterer ‚Sinti und Roma‘ und ‚Zugewanderte aus Osteuropa‘, aus ‚Rumänien‘ oder ‚Bulgarien‘ – ungeachtet deren Status als EU-Bürger*innen und ihren damit verbundenen Rechten. Dies geht Hand in Hand mit der undifferenzierten Thematisierung und Synonymsetzung von ‚Sinti und Roma‘ beziehungsweise ‚Roma‘ mit ‚Zuwanderern aus Osteuropa‘ oder ‚Rumänien‘ sowie ‚Bulgarien‘ und einer Übertragung von ‚Zigeuner‘-Bildern auf diese. Die „geschürte Angst vor den ‚Zigeunern‘“ (Mihok 2017, S. 105) und die Synonymsetzung mit ‚Asylmissbrauch‘ und ‚Wirtschaftsflüchtlingen‘ wurde in Teilen bereits innerhalb der restriktiven Asylrechtsdebatte in den 1990er-Jahren eingeübt (ebd.). Wie mangelhaft häufig bereits das Wissen der Journalist*innen um die Minderheit allein ist, soll an folgendem Ausschnitt, ebenfalls aus der hart aber fair-Sendung, exemplarisch verdeutlicht werden. So fragt Frank Plasberg im Gespräch mit der deutschen Sinteza Dotschy Reinhardt in der Sendung:

Ich hab heute nochmal bei Wikipedia nachgeguckt, ich wusste es nicht, klären Sie uns auch auf, was ist der Unterschied zwischen Sinti und Roma? Wir haben gerade gelernt, dass wir nicht mehr Zigeuner sagen dürfen und dann sagen wir Sinti und Roma und jetzt ist es auch wieder falsch.“

Wie im Laufe des Gesprächs deutlich wird, handelt es sich bei dieser Frage keinesfalls um eine Moderationsmethode mit einem intendierten Sprecherwechsel, sondern Plasberg scheint über dieses Wissen tatsächlich nicht zu verfügen. Doch nicht nur das ist als äußerst problematisch anzusehen, sondern auch die Referenz auf die Bezeichnung „Zigeuner“. Plasberg hatte Dotschy Reinhardt bereits mit folgenden Worten begrüßt: „Ich möchte ihnen jetzt eine Frau vorstellen, die meine Großeltern und die meisten Großeltern Zigeunerin genannt hätte. So war das damals. Schön, dass sie bei uns sind, Dotschy Reinhard.“ Auch Sandra Maischberger fragt in ihrer Sendung mit dem Thema Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant? die Rechtsanwältin und Romni Nizaqete Bislimi: „Frau Bislimi, das war ein Spiegel-Titel 1990. Haben Sie eigentlich was dagegen, wenn man Sie Zigeunerin nennt? Stört Sie das?“ Die Moderator*innen nehmen hier eine bewusste Verknüpfung von Selbst- und Fremdbezeichnung vor, die zur Übertragung tradierter, an ‚Zigeunerbilder‘ geknüpfte Vorurteile auf die Minderheit beiträgt, diese aktualisiert und reproduziert. Gleichzeitig findet so gut wie keine Thematisierung des nationalsozialistischen Völkermords und der seitdem anhaltenden rassistischen Kontinuität statt. Lediglich die Talkshow Markus Lanz, bei der es sich jedoch nicht dezidiert um eine Polit-Talkshow handelt4, bildet hier allein schon durch die Einladung von sogenannten „Zeitzeugen“ eine Ausnahme. Eine weitere große Leerstelle in den Sendungen ist das Auslassen der wirtschaftlichen Hintergründe für Flucht und Migration und die Rolle, die Deutschland und Europa dabei spielen, sodass festgehalten werden kann, dass für die Dominanzgesellschaft unangenehme Aspekte weitestgehend ausgeblendet werden.

Zudem findet in den betrachteten Sendungen fast ausnahmslos eine permanente Verbindung der Minderheit, aber auch ‚osteuropäischer Zuwanderer‘, mit ‚Delinquenz‘ und ‚Sozialmissbrauch‘ statt sowie eine Verortung der Gruppe in der ‚Illegalität‘. Diese in der gesamten medialen Berichterstattung dominante Praxis verwundert besonders vor dem Hintergrund des Pressekodex, bei der die Richtlinie 12.1 ausdrücklich vorgibt, dass „[i]n der Berichterstattung über Straftaten […] die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt [wird], wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“ (Deutscher Presserat 2013). Es wird außerdem darauf hingewiesen, dass besonders im Fall von Minderheiten die Gefahr des Schürens von Vorurteilen bestehe (vgl. ebd.). Dieser scheinbare Widerspruch zwischen Pressekodex und diskriminierender Berichterstattung lässt sich leicht aufheben, wenn man der Erklärung des Presseratssprechers Manfred Protze folgt. Ein „begründeter Sachbezug“ bestehe zum Beispiel

wenn man über Clan- und Bandenkriminalität von Sinti und Roma berichte. Solche ‚Großfamilienloyalitäten‘ könne man nur vor dem kulturellen Hintergrund verstehen. Deswegen dürften Journalisten in diesem Fall Sinti und Roma auch benennen“5 .

Paradoxerweise bemüht Protze also das Vorurteil selbst, um eine vorurteilsbehaftete Berichterstattung zu begründen.

Zusätzlich lässt sich feststellen, dass die Redaktionen zwar bemüht sind, Angehörige oder Vertreter*innen der Minderheit oder Fürsprecher*innen wie zum Beispiel die Grünen-Politikerin Claudia Roth einzuladen, diesen jedoch kontinuierlich eine Überzahl rechts-konservativer Positionen gegenüberstellt. Hierbei handelt es sich vorrangig um Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft oder der Polizei, deren Aussagen aufgrund ihrer Ämter mit großer Evidenz versehen sind und die zudem routiniert sind im Umgang mit der Presse (vgl. Thiele/Vowe 2015, S. 18f.). Deren Positionen werden häufig durch Einspieler bestätigt, in denen die Warnungen und Klagen der Kommunen oder staatlicher Institutionen wie der Bundesagentur für Arbeit zitiert und mit Zahlen und Grafiken veranschaulicht werden.

Des Weiteren ist die Rolle der Moderator*innen in diesem Inszenierungsprozess gebündelt hervorzuheben. Deren Funktion liegt während der Sendung vorrangig in der Steuerung des Gesprächs durch Adressieren der Gäste und gezieltes Fragenstellen sowie das Aufteilen der Redezeiten und gelegentliches Resümieren der Beiträge. Ihre Position sollte dabei möglichst neutral sein – soweit die Theorie. Bei der Sichtung der Sendungen, in denen ‚Sinti und Roma‘ thematisiert werden, fällt jedoch schnell auf, dass sie dies in den seltensten Fällen sind. Die gestellten Fragen geben genau wie die Liste der Gäste und der Tenor der dokumentarischen Beiträge die Richtung der Diskussion bereits vor (vgl. Goebel 2017, S. 87), sodass sich hier ideologische Implikationen ausfindig machen lassen, die größtenteils dem konservativen Spektrum zugeordnet werden können. Häufig kommen die Moderator*innen auch ihrer Funktion der ausgeglichenen Gesprächsführung nicht ausreichend oder zielführend nach, sodass vornehmlich die lautesten Gäste das Ringen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer*innen gewinnen und den größten Anteil der Redezeit für sich beanspruchen, ungeachtet der Einwände der Moderator*innen oder anderer Gäste. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um routinierte Talkshow-Gänger, wie Joachim Hermann von der CSU oder der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt. Letzterer war in den analysierten Talksendungen gleich viermal geladen, um als Vertreter der ausführenden Staatsgewalt den aus seiner Sicht bestehenden Zusammenhang zwischen ‚Kriminalität‘ und ‚Sinti und Roma‘ zu behaupten.

Die Kollektivsymbole ›Müll‹ und ›Problemhaus‹

Während im allgemeinen Einwanderungsdiskurs besonders dominant das Kollektivsymbol6 des ‚vollen Bootes‘ bemüht wird (vgl. Gerhard et al. 1994), wird die Zuwanderung der Menschen aus ‚Osteuropa‘ und vor allem der ‚Roma‘ auf der bildlichen Ebene in den Zeitungsartikeln und den Fernsehberichten ab 2010 häufig durch die Kollektivsymbole ‚Müll‘ und ‚(Problem)Haus‘ realisiert. Besonders die Kopplung dieser beiden Symbole bedarf einer näheren Betrachtung. Während das Haus je nach Kontext als Repräsentation der jeweiligen Stadt beziehungsweise Deutschlands oder auch Europas7 gelesen werden kann, wird auf der sprachlichen Ebene durch die Nennung der Anzahl der Bewohner*innen und Begrifflichkeiten wie „besetzen“, „bevölkern“ eine Überbevölkerung durch ‚Bulgaren‘, ‚Rumänen‘ und ‚Roma‘ suggeriert, die zudem Überfremdungsängste schürt. Auffällig ist dabei, dass die Zahlen häufig stark variieren und von den Journalist*innen als ungewiss formuliert werden, wodurch sich die als ‚Masse‘ konstruierten Menschen einer eindeutigen Zuordnung entziehen. Synonym werden die „Problemhäuser“ im mediopolitischen Diskurs auch „Schrottimmobilien“8, „Müllhaus“9, „Horror-Haus“10, „Ekelhäuser“11 oder sogar „Rattenhäuser“12 genannt, die personalisiert „Angst verbreiten“13. Hier wird bereits auf der sprachlichen Ebene durch die unterschiedlichen Komposita realisiert, was auf der bildlichen Ebene durch die Kombination von Fotos und Einstellungen der Häuser und mit solchen, auf denen Müll zu sehen ist, erzeugt wird. Das Kollektivsymbol ‚Müll‘ konnotiert ‚Verwahrlosung‘, ‚Unzivilisiertheit‘, ‚Ungeziefer‘ und ‚Krankheiten‘ – Zuschreibungen, die bereits in den 1980er Jahren innerhalb der medialen Berichterstattung auf die Minderheit appliziert wurden (vgl. Wolff 2014). Das Symbol imaginiert die mit diesen Zuschreibungen versehenen Menschen damit als gesundheitliche Gefahr für die Dominanzgesellschaft, die diese doch „freundlicherweise“ in ihrem ‚Haus‘ aufgenommen hat. Ihr als unangepasst inszeniertes Verhalten zeigt, dass die unliebsame Gruppe dies scheinbar nicht zu schätzen weiß. Hier wird eine weitere Bedeutung des Müll-Symbols deutlich, welches zusätzlich auch die kulturelle Andersartigkeit dieser Menschen behauptet. Dies wird noch dadurch unterstützt, dass innerhalb der Berichterstattung immer wieder auch über die „Elendsviertel“ in den Herkunftsländern der Rom*nja berichtet wird. „[D]urch ihre zunehmende Häufigkeit und Ausschließlichkeit [geben die Reportagen und Dokumentationen nicht] den Anschein, [als handele es sich um einen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit der Rom*nja], sondern dass alle Roma [so und] dort leben“ (Mihok 2017, S. 101). Brigitte Mihok merkt außerdem an, dass bei Berichten über die „Roma-Viertel“ häufig die Lokalisierung weggelassen wird, sodass der Eindruck vermittelt wird, dass die „Verhältnisse der ‚Zigeuner‘ allgemein so sind“ (ebd., S. 102). Durch bildliche Analogien von Aufnahmen aus den Herkunftsländern und aus Deutschland wird suggeriert, dass die gezeigte Lebensweise gewissermaßen charakteristisch für Angehörige der Minderheit ist und sie diese mit nach Deutschland bringen.

Die Inszenierung einer unveränderlichen ‚Andersartigkeit‘ und die Empörung der alteingesessenen Anwohner*innen über die mangelnde ‚Anpassung‘ der „neuen Nachbarn“ findet sich eindrücklich auch in einem Einspieler der Polit-Talkshow Menschen bei Maischberger zum Thema Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant?, die eine Woche nach dem Tatort Mein Revier gesendet wurde, in dem ebenfalls die Migration von ‚Bulgaren‘ mit dem Müll-Symbol verknüpft und dadurch problematisiert wird14:

Voice-Over: In ihrem Viertel ist für sie nichts mehr, wie es mal war. In dieses Hochhaus, das einzige in Duisburg-Bergheim, sind Roma gezogen – ein ganzer Clan. Die Nachbarn sind aufgebracht.

Anwohner: Es wird alles vermüllt, man wird hier mit Steinen beworfen, wenn man was sagt. Und selbst hier drüben in dem Altenheim werden alte Leute beklaut.

Voice-Over: Immer wieder türmt sich Müll vor dem Haus, obwohl die Müllabfuhr schon extra dreimal pro Woche kommt. In dem Block sollen zeitweise bis zu 250 Menschen leben. Niemand weiß Genaues, die Roma sprechen kein Deutsch.

Anwohnerin: […] Ist das noch normal? Müssen wir uns das gefallen lassen?

Voice-Over: Wie umgehen mit Menschen mit völlig anderer Lebensweise?

Der Beitrag beginnt mit einer Einstellung, die das Hochhaus von unten filmt und dadurch einen bedrohlichen Eindruck evoziert. Es folgen die Interviews mit den verärgerten Anwohner*innen, zwischen die Einstellungen des Hauses und von Müllbergen geschnitten werden. Die letzte Einstellung zeigt eine Gruppe Menschen von hinten, die sich von der Kamera wegbewegt. In dem gesamten Beitrag kommen lediglich langjährige Duisburger*innen zu Wort. Der Kommentar einer Anwohnerin, dass mit den Menschen nicht zu reden sei, da diese aggressiv wären und sowieso kein Deutsch sprächen, kann sodann als Rechtfertigung dienen, warum auch das Kamerateam vor Ort keinen Versuch unternommen hat, die Bewohner*innen des Hochhauses zu dem Konflikt zu befragen. Stattdessen werden diese im gesamten Beitrag als Gruppe und aus der Distanz gefilmt. Ihre Gesichter werden zudem durch den Einsatz von Unschärfe unkenntlich gemacht. Dieses Verfahren, dass primär zum Schutz der Personen dienen soll, hat den Effekt, dass es zugleich verfremdend wirkt und den Eindruck von ‚Realität‘ erhöht (vgl. Thiele 2005, S. 77). Gleichzeitig markieren Verfahren der Unschärfe die entsprechenden Personen als ‚obskur‘, ‚kriminell‘, ‚denormal‘ und ‚illegal‘ (vgl. ebd.). Bei Maybrit Illner (28.02.2013) heißt es über das „neue Gesicht der Armut in Deutschland“ in einem Einspieler, der Einstellungen von Duisburger Straßen mit Aufnahmen von Müll kombiniert: „Die Integration im Alltag geht nur schleppend voran. In Duisburg häufen sich die Probleme buchstäblich auf der Straße. Anwohner in diesem Viertel klagen über die zunehmende Kriminalität und den vielen Dreck. Wer kann, zieht weg.“ Als bei Menschen bei Maischberger ‚Roma‘ erneut thematisiert werden, diesmal unter dem Schlagwort der „Armutszuwanderung“, hat sich an der Diskursivierung zum Vorjahr nichts geändert. Beispielhaft dafür können die Kommentare eines Einspielers in der Sendung dienen, die die Vorurteile ‚Kriminalität‘ und ‚Unsauberkeit‘ in Verbindung mit gesteigerten finanziellen Aufwendungen für die „Armutszuwanderer“ evozieren.15

Voice-Over: Die Städte haben Alarm geschlagen. Weil immer mehr Armutseinwanderer aus den EU-Ländern Bulgarien und Rumänien zu uns kommen. Das gefährdet den sozialen Frieden. Hohe Kosten, Kriminalität und Probleme beim Zusammenleben vor Ort in den Vierteln. Viele Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, wie diese Bürger aus Duisburg. […]

Anwohner: Das ist unbeschreiblich, ist das hier. Sowas hab ich noch nie gesehen. Die Kinder, die laufen hier rum, die lassen die Hosen runter und pinkeln und kacken hier hin, wo sie wollen.

In der hart aber fair-Sendung Deutschland wir kommen! Aber welche Flüchtlinge sollen bleiben? vom Oktober 2013 werden einige der Einstellungen aus dem Beitrag der Menschen bei Maischberger-Sendung aus dem Vorjahr wiederverwertet, ohne dass diese jedoch als Archivmaterial gekennzeichnet werden. Die Aufnahmen des Hochhauses in Duisburg, der Müllberge und der durch Unschärfe anonymisierten Gruppe werden mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Überwachungskameras, Einstellungen aus Amateurvideos und solchen, in denen Polizeigruppen zu sehen sind, sowie weiteren Bildern von Müllbergen und Wohnungen kombiniert. Außerdem werden Kommentare von Anwohner*innen gezeigt. Auch hier sorgen Voice-Over und Montage für die Kontextualisierung und laden die für sich allein stehend nicht signifikanten Bilder mit Bedeutung auf.

Das entworfene Bild einer durch ‚Roma‘ verursachten ‚Verwahrlosung‘, ‚Vermüllung‘ und ‚Ghettoisierung‘ wird noch dadurch unterstützt, dass die eigentlichen Gründe für die Wohnsituation der Rom*nja in deutschen Großstädten in vielen Beiträgen schlichtweg ausgelassen werden und verschwiegen wird, dass viele Immobilien bereits vor dem Einzug der Bewohner*innen aus Südosteuropa in schlechtem Zustand waren und von den Eigentümer*innen oder den Städten vernachlässigt wurden. Auch Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber der Minderheit in Deutschland stellen eine enorme Leerstelle in der Berichterstattung dar, die solche Phänomene konsequent in den ‚osteuropäischen‘ Heimatländern der Betroffenen verortet, sofern dies überhaupt thematisiert wird. Markus End hat am Beispiel der Müll-Symbolik eine besondere Strategie der stereotypen Bildauswahl in der Berichterstattung aufzeigen können, bei der „nicht lediglich real existierende Szenen und Bilder ausgewählt werden, sondern […] zusätzlich durch verschiedenen Strategien so angepasst werden, dass im Ergebnis eine Bestätigung des stereotypen Deutungsrahmens stattfindet“ (End 2014). End konnte nachzeichnen, wie in unterschiedlichen Sendungen des WDR in den Jahren 2012 und 2013 immer wieder dieselben Einstellungen, in denen ‚Müll‘ zu sehen war, benutzt wurden – ohne dass diese dabei als Archivaufnahmen gekennzeichnet wurden (vgl. ebd.).

Aus der journalistischen Praxis, in der Journalist*innen bedingt durch steigenden Konkurrenzdruck immer schneller Content produzieren müssen, bietet sich das Symbol des ‚Mülls‘ förmlich an, da es sich um etwas Alltägliches handelt und leicht mit der Kamera aufgenommen werden kann. Dadurch allein lässt sich die Dominanz des Kollektivsymbols im Diskurs um ‚Sinti und Roma‘ allerdings nicht erklären. Auch hier spielen Strategien der Skandalisierung in einer durch Kurzlebigkeit charakterisierten Medienwelt eine entscheidende Rolle, um einzelne Meldungen oder Berichte mit einem signifikanten Nachrichtenwert zu versehen. Die permanente Wiederholung solcher Symbole führt dazu, dass politische Akteur*innen und Medienschaffende nahezu sicher von einem entsprechenden kollektiven Wissen ihrer Leser*innenschaft ausgehen können und dieses entsprechend adressieren.

Zwischen Fiktion und Dokumentation – die Verwischung der Grenzen im Interdiskurs Fernsehen

Nachdem anhand der Kollektivsymbole ‚Müll‘ und ‚Problemhaus‘ der Diskurs innerhalb der medialen Berichterstattung skizziert werden konnte, wird nun beispielhaft aufgezeigt, wie fiktionale und nicht-fiktionale Formate im mediopolitischen Diskurs aufeinander Bezug nehmen und welche Effekte sich daraus ergeben können. Im November 2012 wurde die Folge Mein Revier der fiktionalen Krimi-Reihe Tatort erstausgestrahlt, die die Themenfelder ‚Organisierte Kriminalität‘, ‚Prostitution‘ und ‚Arbeiterstrich‘ ins Zentrum der Erzählung stellt16 und sich überdeutlich an der Berichterstattung zu der zum Problembezirk ernannten Dortmunder Nordstadt und der ‚Zuwanderung aus Osteuropa‘ orientiert. Als Applikationsvorlage diente dem WDR scheinbar unter anderem der ebenfalls von diesem Sender produzierte Bericht der Sendung Cosmo TV, der bereits 2009 den „Arbeiterstrich“ in der Dortmunder Nordstadt thematisierte. Die Darstellung der Konflikte zwischen den langjährigen Anwohner*innen und den bulgarischen Arbeiter*innen ähneln sich in auffälliger Weise in ihrer visuellen Inszenierung. Während der Konflikt in dem nicht-fiktionalen Bericht jedoch friedlich verläuft und in einer warmen Farbtemperatur gezeigt wird, eskaliert er in der fiktionalen Bearbeitung. Der Eindruck des unüberwindbar erscheinenden Konflikts wird dabei visuell unterstützt, indem mit kalten, blaustichigen Farben eine trostlose und kühle Atmosphäre kreiert wird.

Im Film wird die Last für die ‚Deutschen‘ durch die Erweiterung der EU artikuliert und findet sich auch in dem Beitrag von Cosmo TV, unter anderem in der Anmoderation des Beitrags durch den Moderator:

Auf einmal standen sie da. Jeden Tag an einer Straßenkreuzung. Es waren Männer aus Bulgarien, die aber türkisch sprechen. Sie stehen da, jeden Tag und warten auf Arbeit: Steine schleppen auf dem Bau, Hilfe beim Entrümpeln, irgendwie sowas. Arbeiterstrich heißt diese Kreuzung seitdem in Dortmund und auf dem Papier ist das alles ganz legal. Weil Bulgarien EU-Mitglied ist, dürfen Bulgaren in Deutschland arbeiten, zumindest, wenn sie selbstständig sind. Für die Anwohner, die am Arbeiterstrich wohnen, ist die Situation trotzdem schwierig.“

Die durch die Redundanzen am Anfang („jeden Tag“) konnotierte Kontinuität des „Problems“ wird am Ende des Beitrags mit der Vorstellung einer nicht enden wollenden Zuwanderung gekoppelt, indem das Voice-Over schließend verkündet: „Solange ihr Land so arm ist, werden die Bulgaren weiter kommen.“ In dem Filmbeitrag heißt es außerdem, dass einige „den Platz nicht den Fremden überlassen“ wollen und daher „demonstrativ Bänke aufstellen“, mit dem Ziel dass „Ruhe und Ordnung“ herrschen sollen. Hier wird deutlich, dass es in der ganzen Debatte dominant um territoriale Besitzansprüche geht. Die Freizügigkeit innerhalb der EU wird als ständiger Unsicherheitsfaktor verhandelt, der traditionelle Zugehörigkeiten auszuhebeln vermag und eine potentiell denormalisierende Kraft darstellt. Der kranke Mann im Beitrag, „der sich hier noch Hussein, dann Achmed und später Farid nennt“, entzieht sich einer eindeutigen Zuordnung und stellt in diesem Zusammenhang eine Gefahr für die flexibel-normalistisch organisierte Gesellschaft dar. Die wechselseitige Übertragung von Inhalten und Bildern beziehungsweise Symbolen zwischen nicht-fiktionaler Berichterstattung und den fiktionalen Kriminarrationen wird zusätzlich dadurch erleichtert, dass „investigative“ Reportagen, bei denen die Reporter*innen als Äquivalent zu Ermittler*innen fungieren, bereits häufig bildsprachliche Mittel aus dem Krimi-Genre verwenden. So produziert etwa die Reportage der ARD-Reihe Exclusiv im Ersten mit dem Titel Deutschlands neue Slums – Das Geschäft mit den Armutseinwanderern (09.12.2013) Bilder, die denen aus Mein Revier zum Verwechseln ähnlich sehen.

In der Polit-Talkshow Menschen bei Maischberger mit dem Thema Armutseinwanderer: Ist Deutschland überfordert (26.02.2013) werden die Szenen aus dem Tatort Mein Revier schließlich verwendet, um die aussichtslose Situation der Menschen, die vorher ganz deutlich von denen unterschieden werden, die aufgrund von „Krieg oder Verfolgung“ nach Deutschland kommen, zu veranschaulichen. In einem Einspieler werden zunächst Einstellungen aus dem Krimi und dann dokumentarische Aufnahmen gezeigt, die nicht genauer lokalisiert werden. Die erste dokumentarische Einstellung stellt eine Analogie zu dem „Arbeiterstrich“ der fiktionalen Bearbeitung im Tatort dar und zeigt ebenfalls eine Straße und wartende Männer. Danach sind zusammenhangslos Aufnahmen von Straßen, eines öffentlichen Mülleimers, eines heruntergekommenen Zimmers und zweier Männer, die eine Matratze tragen, zu sehen. Das dazugehörige Voice-Over kontextualisiert die gezeigten Bilder:

Sie kommen mit einer großen Hoffnung […], zum Teil aber landen sie in Situationen oder Milieus wie diesem hier. Was dieser Tatort im letzten November zeigte, war ungeschönte Wirklichkeit. Zehntausende Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien leben im Ruhrgebiet, in Hamburg oder Mannheim unter üblen Bedingungen. Viele von ihnen sind Roma, bieten ihre Dienste auf dem sogenannten Arbeiterstrich an.“

Diese intendierte Kopplung von fiktionalen und nicht-fiktionalen Bildern kann als deutliches Verfahren zur wechselseitigen Verstärkung bezüglich des Realitäts- und Evidenzeffekts beider Arten filmischer Realität gesehen werden. Auch scheint es sich um eine bewusste Werbestrategie zur Zuschauerbindung und -gewinnung zu handeln, bei der die Authentizität und damit die Rechtfertigung der sendereigenen Krimi-Reihe gesteigert werden soll.

Neben Dortmund wurde auch Duisburg besonderes häufig als Beispiel für die als Problem inszenierte Migration aus Südosteuropa herangezogen. In der Berichterstattung um die Überforderung der Kommunen und der Bewohner*innen Duisburgs wird dabei ganz klar zwischen zwei Gruppen unterschieden: Zwischen der ‚Wir‘-Gruppe, bestehend aus den alteingesessenen Bürger*innen und den ‚Anderen‘, nämlich den Menschen aus Südosteuropa (vgl. Rahmani 2017, S. 117). Erstere steht repräsentativ für die Dominanzkultur, kommt in den Zeitungsartikeln häufig zu Wort und nimmt eine aktive und gestaltende sowie vernunftbasierte Rolle in der Gesellschaft ein (vgl. ebd., S. 118). Es handelt sich häufig um „Akteure einer offiziellen Institution, die eine Ordnungsabsicht verfolgt und ein fester Bestandteil moderner staatlicher Ordnung ist“ (ebd.). Denen wird die Gruppe der ‚Anderen‘ gegenübergestellt:

Diese treten in ‚Großfamilien‘, ‚Banden‘ oder ‚familiäre(n) Netze(n)‘ auf, was den Anschein einer […] ‚vormodernen sozialen Struktur‘ vermittelt und gleichermaßen auf das antiziganistische Stereotyp des vermeintlichen Kinderreichtums anspielt. Die Gruppe ‚der Anderen‘ ist problematisch, ungebildet, kindlich, integrationsunwillig, macht viel Arbeit, ist teuer und vor allem passiv. Sie werden gefördert und integriert und ‚versauern‘, wenn sie denn nicht ‚an die Hand genommen werden‘. Sie werden ‚umgesiedelt‘, ‚betreut‘ und ‚untergebracht‘, ‚werden auf Diebestour geschickt‘ oder gar ‚vermietet‘ und kommen – bis auf einige, seltene Fälle nie zu Wort. In ihrer aktiven Erscheinung ‚zocken (sie) Geld ab‘, ‚beißen, spucken (und) treten‘“ (ebd.).

Die Menschen aus Südosteuropa werden außerhalb der Stadtgesellschaft verortet und es wird Handlungsbedarf bezüglich der Gruppe impliziert, um die Gefahr der Leistungsansprüche an das Sozialsystem zu kontrollieren bzw. abzuwenden (ebd.).

Innerhalb des Diskurses finden sich außerdem die Kollektivsymbole des ‚Magnets‘, der ‚Welle‘ und des ‚Stroms‘ aus dem allgemeinen Einwanderungsdiskurs, um die naturkatastrophenähnliche Bedrohung und die damit verbundene Schwierigkeit, wenn nicht Unmöglichkeit, der Regulierung zu behaupten, die die Dringlichkeit zur Reaktion und Abwehr suggeriert (vgl. ebd., S. 123).

Auch in der bereits thematisierten Polit-Talkshow Menschen bei Maischberger mit dem Titel Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant? vom 20.11.2012 wird Armut vor allem als Problem der „neuen und zukünftigen EU-Länder“ artikuliert und es wird von der Moderatorin die Frage gestellt, ob „wir“ diese Menschen aufnehmen sollen und können. Zu Gast ist unter anderem der Autor eines umstrittenen Weltwoche-Artikels17 Philipp Gut, dem in der Sendung die Möglichkeit geboten wird, seine rassistischen Thesen zum „Kriminaltourismus“ von „Roma-Banden“ und „Familienbetrieben des Verbrechens“ aus „Rumänien, Ungarn, Balkan, Osteuropa, Südosteuropa“ zu reproduzieren. Hier wird das Bild der ‚wilden‘, ‚animalischen‘ und ‚triebhaften‘ ‚Zigeunerin‘ (vgl. Eulberg 2009, S. 50) bemüht, wenn der Journalist schildert, dass „Mädchen abgerichtet“ werden und über die Grenze in die Schweiz geschickt werden. Die Aufzählung, in der Philipp Gut Staaten, Gebiete und Teilkontinente miteinander vermischt, kann auf der einen Seite als Beispiel für einen vorwiegend undifferenziert geführten Diskurs gesehen werden, bei dem den meisten Akteur*innen das notwendige Spezialwissen, sowohl über Bulgarien und Rumänien als auch über die ethnische Minderheit, fehlt (vgl. Krauß 2016, S. 229). Auch gesellschaftlich ist dieses Wissen kaum vorhanden, sodass die Vermischung ethnischer und staatsbürgerlicher Identitäten bei der Berichterstattung keinerlei Probleme bereitete. Romani Rose weist in diesem Zusammenhang in der Sendung auch mehrfach darauf hin, dass Sint*ezza und Rom*nja generell die Möglichkeit einer kulturellen und gleichzeitig nationalen Identität abgesprochen werde und macht auch auf die äußerst problematische Vermischung und Verwechslung von Ethnie und Nationalität aufmerksam. Auch die Schnittmenge der gemeinsamen Stereotype über ‚den Balkan‘ und ‚die Roma‘, wie die der ‚Primitivität‘ und ‚Blutrünstigkeit‘ (vgl. Zimmermann 2016, S. 437) erleichtern eine Vermischung beider Bilder im Diskurs. So wie es sich bei ‚Roma‘ um eine konstruierte Kategorie mit zahlreichen und variierenden Zuschreibungen handelt, so kann auch der sogenannte ‚Balkan‘ als Projektion entlarvt werden (vgl. ebd., S.1). Im Sinne Edwards Saids Konzept des Orientalism handelt es sich beim ‚Balkan‘ um ein enträumlichtes Konzept und um eine Repräsentation ‚anderer‘ Kulturen durch dominante Kulturen, durch die erst- und letztgenannte konstituiert werden (vgl. Castro Varela/Dhawan 2015, S. 95).18

Joachim Hermann, Innenminister in Bayern (CSU), spricht sich später zwar dagegen aus, Kriminalität zu ethnisieren, indem er darauf verweist, dass es in der Polizeistatistik lediglich Angaben zur Staatsangehörigkeit von Tätern*innen gibt, nicht aber zu deren Ethnie. Dann fährt er jedoch folgendermaßen fort:

Ich mach das nicht – bei diesem Thema – am Roma oder Sinti oder dergleichen fest, aber es gibt natürlich andere Phänomene, wenn ich kürzlich lese, ein Artikel war erst gestern wieder in einer großen deutschen Tageszeitung, beispielsweise die Probleme, die auch ne Stadt wie Dortmund hat, beispielsweise im Prostituierten-Bereich […] die haben eine unheimlich engagierte Politik in Dortmund betrieben, […] zum Teil [mit] Heimatorten […] auf dem Balkan […] Kontakt aufgenommen, […] aber dass da ein Problem da ist und dass die jetzt selber sagen, nachdem sie über Jahre lang eine vorbildliche Politik betrieben haben in der Richtung in Dortmund, dass die jetzt sagen: wir werden jetzt überrollt, letztendlich von Prostituierten, die aus diesen Ländern hierher gebracht werden, natürlich Frauen, die ausgebeutet werden, weil sie mit dem Problem nicht mehr fertig werden, das sind Phänomene, mit denen müssen wir uns natürlich schon auseinandersetzen.“

Die Frauen werden zusätzlich zu ihrer Verortung im Feld der organisierten Kriminalität auch noch als nicht kontrollierbare Gefahr behauptet, die Dortmund zu „überrollen“ droht.19 Diese Naturkatastrophen-Symbolik unterstreicht die Dringlichkeit politischer Handlungen, die Hermann andeutet, wenn er von „Phänomenen“ spricht, mit denen „wir“ „uns“ beschäftigen müssen.

Vielfältige Lebensrealitäten statt einseitiger Skandalisierung

Hermann als Politiker bezieht sich in seiner Aussage, in der er ‚Prostitution‘ und ‚Menschenhandel‘ den ‚Roma vom Balkan‘ zuschreibt und damit alte antiziganistische Vorurteile aktualisiert, ganz klar auf Zeitungsartikel als Quelle für seine Informationen. Dieser Umstand allein ist besorgniserregend genug. Wie sich wiederum Talk-Shows als Medien auf den Tatort als Beleg für reale soziale Gegenstände beziehen, wurde am Beispiel der Sendung Menschen bei Maischberger vom Februar 2013 skizziert. Immer wieder kommt es zu solchen inhaltlichen Verzahnungen und Anknüpfungen, zu thematischen Wiederholungen und sogar auch ganz konkreten Bildwiederholungen, die sich gegenseitig in ihrem Realitäts- und Evidenzeffekt bestärken. Dieser Ausschnitt aus dem mediopolitischen Diskurs in Deutschland und dessen Wirkmechanismen zeigt auf, wie einseitig, redundant und größtenteils skandalisierend die Berichterstattung ist. Es ist zwingend notwendig, dass diese von einem Journalismus abgelöst wird, der, besonders wenn es um marginalisierte Gruppen geht, differenziert und sachlich-fundiert über Hintergründe sowie politische und ökonomische Zusammenhänge berichtet. Auch Filmschaffende und Entscheidungsträger*innen innerhalb der Sendeanstalten sollten diesbezüglich sensibler und reflektierter vorgehen. Abgesehen davon, dass die generelle Aushebelung von Subalternität als Status das langfristige Ziel sein sollte, sollten Angehörige marginalisierter Gruppen auch jetzt schon die Möglichkeit ergreifen können, Gehör für ihre Belange zu finden und als Medienschaffende und zugelassene Stimmen, etwa als Interview-Partner*innen in Beiträgen, zu einem heterogenen Bild beizutragen, das in diesem Fall unter anderem die Gleichzeitigkeit nationaler und ethnisch-kultureller Identität nicht weiter negiert. Auch das Sichtbarmachen von widerständigem Verhalten gegen die hegemonialen Zustände und vergangenen20 und aktuellen Empowerment-Strategien (vgl. Demir 2017) sowie die Schaffung eines kollektiven Bewusstseins innerhalb der Dominanzgesellschaft für das Ressentiment und die Folgen für die Betroffenen sind wichtige Bausteine in einer Bekämpfung des Antiziganismus. Auch wissenschaftliche Perspektiven auf diese Form von Rassismus finden oft unzureichend Beachtung, weshalb an dieser Stelle die Bedeutsamkeit von Kollaborationen innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen, aber auch zwischen theoretischen Zugängen und der praktischen Arbeit vielfältiger Organisationen hervorgehoben werden soll (vgl. Goebel 2017, S. 404f.). Äquivalent zu den jüdischen Studien in den USA sollte auch hier ein Wechselspiel mit vielfältigen Lebensrealitäten Sint*zza und Rom*nja stattfinden, sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch im mediopolitischen Diskurs (vgl. Battegay 2012, S. 11-21).

Literatur

Battegay, Caspar (2012): Judentum und Popkultur. Ein Essay, Bielefeld.

Bernhardt, Petra et al. (2009): EUropäische Bildpolitiken. Politische Bildanalyse an Beispielen der EU-Politik, Wien.

Castro Varela, María do Mar/Dhawan, Nikita (2015): Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung (2., überarb. Aufl.), Bielefeld.

Demir, Merfin (2017): Rom_nja Empowerment. In: Steuten, Ulrich (Hg.): Für immer „Zigeuner“? Zur Kontinuität des Antiziganismus in Deutschland, Duisburg, S. 42-52.

Deutscher Presserat (2013): Pressekodex. Publizistische Grundsätze (Pressekodex). Richtlinien für die publizistische Arbeit nach den Empfehlungen des Deutschen Presserats. Beschwerdeordnung. Fassung vom 13.3.2013, Berlin.

Dörner, Andreas/Vogt, Ludgera (2004): Entertainment, Talkshow und Politikvermittlung in Deutschland. In: Kamps, Klaus/Nieland, Jörg-Uwe (Hg.): Politikdarstellung und Unterhaltungskultur. Zum Wandel der politischen Kommunikation, Köln, S. 38–53.

End, Markus (2014): Von Klischees und falschen Bildern. Eine Analyse: Wie berichten Medien über Sinti und Roma? Abzurufen unter https://www.bpb.de/internationales/europa/sinti-und-roma-in-europa/179543/eine-analyse-wie-berichten-medien-ueber-sinti-und-roma?p=all (letzter Zugriff 23. September 2019).

Eulberg, Rafaela (2009): Doing Gender and Doing Gypsy. Zum Verhältnis der Konstruktion von Geschlecht und Ethnie. In: End, Markus/Herold, Kathrin/Robel, Yvonne (Hg.): Antiziganistische Zustände. Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments, Münster, S. 41-66.

Fromm, Anne: ‚Das ist kein Maulkorb‘- Der Presserat bleibt dabei: Medien dürfen die Herkunft von Straftätern nur in bestimmten Fällen nennen. Abzurufen unter https://taz.de/!5282723/ (letzter Zugriff am 11.10.2019).

Ghelli, Fabio (2017): Wie sollen die Medien mit Rechtspopulisten umgehen? Abzurufen unter https://mediendienst-integration.de/artikel/wie-sollen-medien-mit-rechtspopulisten-umgehen.html (letzter Zugriff am 11.10.2019).

Goebel, Simon (2017): Politische Talkshows über Flucht, Bielefeld.

Jäger, Siegfried, Jens Zimmermann in Zusammenarbeit mit der Diskurswerkstatt DISS (2010) (Hrsg.): Lexikon Kritische Diskursanalyse. Eine Werkzeugkiste, Münster.

Krauß, Joachim (2016): Nicht von ungefähr: Die Synonymsetzung von Roma mit Armutswanderung als ein Fall von Agenda-Bildung. In: Stender, Wolfram (Hg.): Konstellationen des Antiziganismus. Theoretische Grundlagen, empirische Forschung und Vorschläge für die Praxis, Wiesbaden, S. 225-237.

Link, Jürgen (2006): Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird (3. überarb. Aufl.), Göttingen.

Mihok, Brigitte (2017): Roma-Feindlichkeit. Von Angstszenarien zur Kriminalisierung. In: Steuten, Ulrich (Hg.): Für immer „Zigeuner“? Zur Kontinuität des Antiziganismus in Deutschland, Duisburg, S. 98–113.

Peters, Katharina (2018a): Der Tatort Armer Nanosh und der Diskurs um kollektive Schuld in Deutschland um 1989. In: Verband für interkulturelle Arbeit (Hg.): Für immer ‚Zigeuner‘? Ergänzungsheft, Duisburg.

Peters, Katharina (2018b): „Die klauen doch, was sie kriegen können“ – Mediale Inszenierungen von ‚Sinti und Roma‘ am Beispiel der Krimi-Reihe Tatort und Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Unveröffentlichte Masterarbeit.

Rahmani, Zakaria (2017): Zwischen Stigmatisierung und Ausgrenzung. Die lokale Berichterstattung über die osteuropäische Zuwanderung nach Duisburg. In: Steuten, Ulrich (Hg.): Für immer „Zigeuner“? Zur Kontinuität des Antiziganismus in Deutschland, Duisburg, S. 114–128.

Thiele, Matthias (2005): Flucht, Asyl und Einwanderung im Fernsehen, Konstanz.

Thiele, Matthias/Vowe, Rainer (2015): „Pleite, Beleidigt und Dreist – Müssen wir diese Griechen retten?“ Griechenland in Talkshows des Deutschen Fernsehens. In: kultuRRevolution. Zeitschrift für Angewandte Diskurstheorie Nr. 69, S. 17–33.

Zimmermann, Tanja (2016): Der Balkan zwischen Ost und West. Mediale Bilder und kulturpolitische Prägungen, Köln/Weimar/Wien.

Übersicht Talkshows

Datum Sendung Titel Gäste
20.11.2012 Menschen bei Maischberger Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant? Nizaqete Bislimi (Rechtsanwältin und Romni)

Philipp Gut (Journalist, Weltwoche)

Joachim Hermann (Innenminister Bayern, CSU)

Damir Kovani (Asylbewerber)

Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma)

Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen)

05.12.2012 Anne Will Betteln, schnorren, Spenden sammeln – wird unser Mitleid ausgenutzt? Helmut Richard Brox (Obdachloser)

Christoph Butterwegge (Armutsforscher)

Annemarie Dose (Gründerin Hamburger Tafel)

Monika Hohlmeier (Mitglied Europäisches Parlament, CSU)

Vera Lengsfeld (Autorin und Publizistin)

Burkhard Wilke (Geschäftsführer DZI Spenderberatung)

26.02.2013 Menschen bei Maischberger Die Armutseinwanderer: ist Deutschland überfordert? Hamze Bytici (Schauspieler, Sozialarbeiter, Rom-Aktivist)

Lucy Diakovska (Sängerin, geb. in Bulgarien)

Özlem Gezer (Journalistin, Der Spiegel)

Wilfried Scharnagl (Politiker, CSU)

Guntram Schneider (Integrationsminister NRW, SPD)

Michael Willhardt (Duisburger Initiative Zukunftsstadtteil)

28.02.2013 Maybrit Illner Elend dort, Angst hier – kommen jetzt die Armen aus Osteuropa? Heinz Buschkowsky (Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln, SPD)

Sabine Keßler (Bürgerin aus Duisburg-Meiderich)

Renate Künast (Bundestagsfraktionsvorsitzende, Bündnis 90/Die Grünen)

Dotschy Reinhard (Jazz-Sängerin, dt. Sinteza)

Markus Söder (Bayrischer Staatsminister Finanzen, CSU)

Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, DPolG)

21.10.2013 hart aber fair Deutschland wir kommen! Aber welche Flüchtlinge sollen bleiben? Wolfgang Bosbach (Mitglied Integrationsbeirat der Bundesregierung, Vorsitzender Innenausschuss, CDU)

Lucy Diakovska (Sängerin, geb. in Bulgarien)

Dotschy Reinhard (Jazz-Sängerin, dt. Sinteza)

Guntram Schneider (Minister für Arbeit, Integration und Soziales NRW, SPD)

Andreas Stasiewicz (Sozialarbeiter, Anlaufstelle für osteurop. Obdachlose in Hamburg)

Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, DPolG)

16.01.2014 Maybrit Illner Armut auf Wanderschaft. Wie viel Freizügigkeit können wir uns leisten? Franziska Giffey (Stadträtin Berlin-Neukölln SPD)

Joachim Hermann (Innenminister Bayern, CSU)

Sabine Keßler (Bürgerin aus Duisburg-Meiderich)

Cem Özdemir (Parteivorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen)

Dzoni Sichelschmidt (Sozialpädagoge)

Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, DPolG)

07.04.2014 hart aber fair Mafia, Jugend-Banden und Clans – wer hat die Macht auf unseren Straßen? Volker Beck (Innenpolitischer Sprecher, Bündnis 90/Die Grünen)

Beate Krafft-Schöning (Journalistin und Buchautorin: Blutsbande: Wie aus einer arabischen Großfamilie in Deutschland der berüchtigte ‚Miri-Clan‘ wurde. Eine Insiderin berichtet)

Gottfried Reims (Fachanwalt für Strafrecht)

Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, DPolG) Walter Wüllenweber (Journalist und Autor, recherchierte über den libanesischen Abou-Chaker-Clan)

01.05.2014 Markus Lanz Frank Buschmann (Sportkommentator)

Philomena Franz (Holocaust-Überlebende)

Stefan Kretzschmar (Ex-Handball-Nationalspieler)

Caro Lobig (Journalistin)

Günter Wallraff (Journalist und Autor)

05.06.2014 Maybrit Illner Gekommen, um zu bleiben: neue Zuwanderer, alte Probleme? Franziska Giffey (Stadträtin Berlin-Neukölln, SPD)

Doinita Grosu (Sozialarbeiterin, geb. in Rumänien)

Myra Mani (Unternehmerin, geb. in Indien)

Cem Özdemir (Parteivorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen)

Andreas Scheuer (Generalsekretär, Bundestagsabgeordneter, CSU)

Serdar Somuncu (Autor und Kabarettist)

15.06.2014 Günther Jauch Albtraum Einbruch. Wie sicher sind wir in der eigenen Wohnung? Egbert Bülles (Oberstaatsanwalt a.D.: Abteilung Organisierte Kriminalität, Buchautor: Deutschland – Verbrecherland?)

Thomas de Maizière (Bundesminister des Innern, CDU)

Bodo Pfalzgraf (Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin, DPolG)

Volker Schirrmacher (Experte für Einbruchschutz)

Ursula Schuler (Einbruchsopfer)

11.09.2014 Markus Lanz Eike Immel (ehem. Fußballprofi)

Michael Keßler (Schauspieler und Comedian)

Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma)

Michaela Schaffrath (Schauspielerin)

Markus Söder (Bayrischer Staatsminister Finanzen, CSU)

27.04.2015 hart aber fair Ängstliche Bürger, hilflose Polizei: Was schützt gegen Einbruch und Trickbetrug? Egbert Bülles (Oberstaatsanwalt a. D.: Abteilung Organisierte Kriminalität, Buchautor: Deutschland – Verbrecherland?)

Reinhold Gall (Innenminister Baden-Württemberg, SPD)

Hammed Khamis (ehem. Straftäter, Buchautor: Ansichten eines Banditen – Das Schicksal eines Migrantenjungen)

Joachim Lenders (Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Hamburg, DPolG; Mitglied Hamburger Bürgerschaft, CDU)

Irene Mihalic (Polizeioberkommissarin a. D.; Sprecherin für innere Sicherheit und Obfrau im Innenausschuss der Bundestagsfraktion, Bündnis 90/Die Grünen)

Fritz Pleitgen (Journalist, Vorsitzender Kuratorium CIVIS Medienstiftung f. Integration u. kulturelle Vielfalt in Europa)

1 Die in dem Titel dieses Beitrags zitierte Frage ist Teil des Sendungstitels der Polit-Talksendung Menschen bei Maischberger vom 20.11.2012 (Datum der Erstausstrahlung), die gezielt die Minderheit thematisiert.

2 Zum Konzept des Normalismus siehe Link 2006.

3 Siehe hierzu auch Kleina im vorliegenden Band.

4 Nach Dörner und Vogt ist die Sendung eher zu den Personalityshows zu zählen, bei denen die persönlichen Geschichten der meist prominenten Gäste im Vordergrund stehen, vgl. ebd., S. 44.

5 Am 22.03.2017 wurde als Folge der Berichterstattung um die sogenannte „Kölner Silvesternacht“ die bereits schwammige Formulierung des „begründetes Sachbezugs“ noch weiter aufgeweicht in die Formulierung „begründetes öffentliches Interesse“. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist damit die Funktion der Richtlinie generell in Frage zu stellen.

6 Kollektivsymbole stellen den Idealtypus mehrdeutiger, diskursverknappender Elemente dar, die unterschiedliche Spezialdiskurse miteinander verbinden und den Mitglieder*innen einer Gesellschaft als Deutungsmuster und zur Orientierung dienen (vgl. Jäger et al. 2010, S. 70). Vertiefend zur Diskurs- und Kollektivsymbolanalyse siehe ebd. sowie Link 2006.

7 Petra Bernhardt et al. zeichnen nach, dass die Selbstdarstellung der Europäischen Union als ‚Familie von Staaten‘, die sich ein ‚europäisches Haus‘ teilt, unter dessen Dach es Platz für weitere Staaten und Menschen gibt, in starkem Kontrast zu dem Bild der ‚Festung Europa‘ steht, welches von Beitrittsbewerberstaaten und Kritikern bemüht wird und welches ein hierarchisches Familienmodell evoziert, vgl. ebd. 2009. Zum Kollektivsymbol ‚Haus‘ siehe außerdem Rahmani 2017, S. 122-125.

8 Kranpitz, Martin: „Duisburger Problemhaus In den Peschen hat neuen Eigentümer“, Der Westen, 16.04.2015.

9 Kohlstadt, Michael/Maug, Rolf: „Angst der Hausbesitzer in der Dortmunder Nordstadt“, Westfälische Rundschau, 17.02.2011.

10 Sat.1 Frühstücksfernsehen, 21.11.2013.

11 Winkelsträter, Andreas: „Rumänen und Bulgaren räumen Ekelhäuser in der Nordstadt von Dortmund friedlich“, Westfälische Rundschau, 1.3.2011.

12 Balke, Christian: WAZ, 18.07.2012.

13 „Ein Haus verbreitet Angst“, Focus, 28.09.2013.

14 Für eine umfassende Analyse der Folge sowie weiteren Tatort-Folgen, die ‚Sinti und Roma‘ thematisieren, und deren diskursive Umgebungen siehe Peters 2018b.

15 Hier wird zusätzlich durch das ‚Fäkalien‘-Motiv auch die Zuschreibung der ‚Primitivität‘ aufgerufen, mit der die unveränderliche Andersartigkeit und die nicht vorhandene Integrationsfähigkeit in eine ‚zivilisierte‘ Gesellschaft behauptet wird. Solche Stereotype finden sich neben antiziganistischen häufig auch in kolonial-rassistischen Diskursen.

16 Eine Verknüpfung von ‚Sinti und Roma‘ mit ‚organisierter Clan-Kriminalität‘ findet sich bereits 1989 in der Tatort-Folge mit dem Titel Armer Nanosh, die als erste Folge die Minderheit zum Gegenstand der Kriminalerzählung macht und auf große Proteste seitens der Selbstorganisationen stieß, siehe hierzu Peters 2018a.

17 Der Artikel erschien unter der Schlagzeile „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz. Familienbetriebe des Verbrechens“ am 12.04.2012 auf dem Cover der Zeitung, zusammen mit einem Titelbild, das einen kleinen Jungen mit einer Pistole zeigt.

18 Zimmermann hebt allerdings hervor, dass man bei der Dekonstruktion des ‚Balkans‘ nicht nur die westlichen Projektionen in den Blick nehmen dürfe, sondern auch die östlich des Balkans berücksichtigen müsse. Ebenso sei der ‚Balkan‘ auch in der Region selbst, „wo immer dies genau sein mag“, als identitätsstiftend rezipiert worden, vgl. ebd. 2006, S. 1.

19 Siehe hierzu auch Winter im vorliegenden Band.

20 Widerstandsaktionen und Proteste wie 1979 in Bergen-Belsen und 1980 in Dachau sind ebenso wie der Völkermord an den europäischen Sint*ezza und Rom*nja erschreckend wenig im deutschen kollektiven Gedächtnis verankert.

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