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Tore, die ’n Hammer haben

 

Von Alfred Schobert. Zuerst erschienen in Junge Welt v. 5.2.1997

Soll man es beim Wortspiel belassen, daß die Independent-Bravo das Bekenntnis zum Beklopptsein bereits im Namen trägt: zILLo? Und die Politdelirien Jay Kays damit abtun, der Frontman von Forthcoming Fire sei der Beweis, daß BSE auf Menschen übertragbar sei? Beschwichtigen, daß die Dark Waver, die sich jetzt Thule Uhr und Thor Hammer als modische Accessoires zulegen, harmlos seien und im übrigen zwischen Odin und Onan kaum unterscheiden können?

Freudlos, wie Deutschland nun einmal ist, gilt als Mahnung ein verrückter Hegelianismus: Was unvernünftig ist, wird wirklich. So tötete der Neonazi Thomas Lemke aus Gladbeck, „vom Germanengott Odin zur Rache gerufen“, mehrere Menschen. Gewiß, das war kein Dark Waver. Doch gerade in Teilen dieser Szene macht sich Germanenglaube breit. Nachweislich führen Wege aus dieser Musikszene in den organisierten Rechtsextremismus, wo pseudointellektuelle Anti-Antifa-Artikel kaum verschlüsselt auffordern, dem Vorbild des Reichshauptmanns Karl Martell zu folgen und gleich Thor den Hammer gegen „Feinde seines Reiches“ zu schwingen.

Also doch und immer wieder, auch wenn man der Tore, die ’n Hammer haben, überdrüssig zu werden droht: „Let’s go Aufklärer !“ (Jacques Derrida). Zur Erinnerung: Wenn Jay Kay über die „Ermordung“ Rudolf Hess‘, der Symbolfigur der verschiedenen Neonazigruppen, phantasiert, dann reproduziert er Neonazi-Propaganda. Sein Geschwafel über eine „zionistische Weltverschwörung“ steht, wie sehr er es auch in Anlehnung an Jan van Helsing alias J.U. Holey esoterisch aufputzt, in direkter Nachfolge des Nazi-Antisemitismus.

Das neueste Zillo präsentiert Jay Kay auf zwei Seiten als von der „Inquisition“ Verfolgten. Ohne den Namen zu nennen, beruft sich Jay Kay auf einen Mitstreiter der Weißen Rose und stellt sich – in nur pathologisch zu nennender Identifikation – in deren Tradition. Dabei handelt es sich eindeutig um Hans Hirzel, stellvertretender Bundesvorsitzender der REPs und REP-Kandidat bei der letzten Bundespräsidentenwahl. Hirzels Interview in der Jungen Freiheit bildet die Vorlage für Jay Kays Statements. Ein Textvergleich belegt exakt: pure REP-Propaganda im Zillo!

Im März 1996 gab Zillo-Herausgeber in Stammtisch-Manier ein nicht ganz durchsichtig formuliertes Versprechen. Der verquere Satz sollte wohl besagen, er zahle jedem 1.000 Mark, der ihm einen Zillo-Artikel rechtsradikaler Tendenz zeige. Die Summe wäre wohl fällig.

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