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Erklärung von Jay Kay (Forthcoming Fire)

 

Dokumentation. Die nachfolgende Erklärung ließ Jay Kay, Frontman der Band Forthcoming Fire, im Februar 1997 verbreiten.1

Liebe Leute, – die ihr euch Antifaschisten nennt, und die ihr euch womöglich gerade damit beschäftigt wie unserer anlaufenden Tour entgegen gewirkt werden könnte, – wollt ihr oder könnt ihr nicht verstehn, das eure Rechnung einfach nicht aufgehen kann, uns auf das Niveau von Gewaltmenschen, Rassisten oder völlig Verirrten herunter zu reduzieren? Tragt bitte folgenden Tatsachen Rechnung, das nämlich mein Umgang und meine Verbundenheit mit Menschen verschiedenster Hautfarben, Rassen und Glaubensrichtungen immer noch basiert auf Grundprinzipien urchristlicher, buddhistischer und keltischer Glaubensinhalte, die allesamt älter und lebendiger sind als jegliche politische Korrektheit. Ich gehe nicht konform mit eurem Engagement die Menschen die mir begegnen nach Gut und Böse zu selektieren. Es gibt keinen Menschen auf der Welt den ich mir zum Feind küre, oder wie es in beiden Extremlagern der Fall scheint wo man sich nur noch als Todfeind gegenüber steht. Ich werde auch weiterhin bemüht sein, mich durch keine noch so fiese Attacke gegen mich je auf das Niveau herab zu begeben, wo nur noch blinder Hassund der Kampf um Vorherrschaften mit allen Mitteln und gegen alle Regeln gefochten wird. Die Wahrheit deretwegen ich mir sehr viel Zeit nehme und Mühen bereite sie als solche zu offenbaren kann nicht mehr im ENTWEDER/ODER weiter gesucht werden sondern muss im Ganzen und im Verbund eines Zusammenspiels der Kräfte begriffen werden. So rechtsradikal wie ich einigen von euch erscheine, bin ich nur darum, weil ihr doch jeden dessen Meinung von der Eurigen abweicht in die Enge der politischen Unberührbarkeit treibt, – und dann wundert ihr euch wenn denen die Ihr mit standgerichtlichem Eifer verteufelt über Nacht die Hörner wachsen, an welchen sich dann wiederum erneuter Anstoß nehmen läßt. Ihr hängt euch an dem auf, was euch ins Bild einer Anklage passt, und lasst dabei völlig ausser Acht eure Rechnng mit einigen euch völlig unbekannten Nennern zu machen die ein Privatleben so mit sich bringt. Ich bin nicht glücklich damit, von einem Beruftshetzer wie dem PDS Schreiberling Alfred Schobert in eine Schublade gesteckt zu werden mit Gestalten die ihre Heils-bringende Mission in einem falschen Verständnis von Patriotismus auf dem Rücken oder über die Leichen von Schwächeren an den Tag legen. Ich war niemals auch zu meiner Punkzeit im Linken Sinne je engagiert, – die Borniertheit dieses Extrems war mir schon immer zuwider, aber ich erinnere mic noch gerne an die Zeiten bis Mitte der Achtziger zurück, wo ich und meinesgleichen im konkreten Kampf gegen so manche Skinheadbande der härteren Art ohne jeglichen Beistand der sonst recht agilen linken Theoretiker alleine unseren Mann standen. Vergesst nicht, das ich meinen Weg 1978 vom Punk aus nahm, und das ich nicht der erste und der letzte bin, der seitdem zu differenzieren gelernt hat. Nein, ich habe nicht die Seiten gewechselt, ich hab nur von Anfang an immer mein eigenes Ding gemacht, und lass mich auch heute von niemandem der Ruhe berauben, konsequent weiter meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Ich hab nicht die Absicht im Chor Fremdenfeindlicher Gestalten die Litanei ihrer seelischen Mißbildungen mitzusingen, aber ich lasse es nicht zu, das die Reihe durch jeder nen braunen Anstrich verpasst bekommt, der nicht eurer Meinung ist. Wenn ich mich beispielsweise auf einen Mann wie Hans Hirzel berufe, dann in erster Linie weil er mir einer der sympathichsten Menschen ist die mir seit langem begegnet sind, er ist für mich vordergründig immer noch der Mensch, der vorm Volksgerichtshof einem Roland Freissler gegenüber stand in Erwartung der Todestrafe, als Mitglied der WEISSEN ROSE und als PATRIOT, Da gibt es nichts zu diskutieren, – wenn ich zu diesem Mann stehe, dann stehe ich auf heiligem Grund und festem Boden, – wir sind uns zutiefst als Menschen begegnet, – der Mann hat einen Eindruck hinterlassen, und wenn die Republikaner ihn 10 mal fürs Amt des Bundespräsidenten nominieren würden, muss ich deren Politik doch nicht vertreten. Und wenn ich in einem Interview die These vertrete das Rudolf Hess aus gegebenem Anlass seinerzeit in Spandau keines natürlichen Todes starb, muss ich deswegen noch lange kein Neonazi seinnur weil diese Bibelstelle zu deren Evangelium mit gehört. Ich halte es aufgrund meiner Forschungen einfach nur für denkbar möglich. Ich halte ja auch die These für nicht irrelevant, das die Macht der LIEBE stärker ist als aller Hass, und lasse mich deswegen nicht kreuzigen. Dem Facettenreichtum meiner Persönlichkeit wird die blasse Palette extremer und etablierter Eintönigkeit jedenfalls nicht gerecht. Ihr solltet auch den Tatsachen Rechnung tragen, das im gesamten Tourpackage incl. der Techniker und Merchandiser zwei weitere Bands mit unterwegs sind, die überhaupt nichts mit allem zu tun haben was ich denke rede oder tue. Bevor ihr also eure Truppen in Gang setzt um irgendwelcher Kollektivschläge wegen nehmt zur Kenntniss das ein nicht unerheblicher Teil unseres Musikantenstadels sich aus Menschen rekrutiert deren Selbstverständnis jedem diktatorischen Prinzip naturgemäß einfach zuwiderläuft. Vergesst auch nicht den Anteil derer, die sich um Politik gleich welcher Art einfach nicht mehr den Kopf zerbrechen möchten und diese mit gewissem Recht als Krankheit betrachten möchten, und sich an keinem Politvirus mehr infizieren wollen. Besorgt euch unsre CDs seziert die Booklets hört unsre Musik nach Rückwärtsbotschaften ab – denn von vorwärts gehört lässt sich aus unseren Texten keine Anklage schmieden, und da bin ich stolz drauf, in den vergangenen 17 Jahren nie einen Text verfasst zu haben, der in irgendeiner Weise einer menschenfendlichen Ideologie nach dem Mund redet. JK

Nachbemerkung von Alfred Schobert

Form und Inhalt der Erklärung sprechen wohl für sich und sollen hier nicht kommentiert werden. Daß ich diese Erklärung hier unkommentiert dokumentiere, soll keineswegs heißen, daß ich Jay Kays Behauptungen über mich („Berufshetzer“ und „PDS-Schreiberling“) und ihre Weiterverbreitung so einfach hinnehme. Aber es nutzt gar nichts, wahrheitsgemäß darauf hinzuweisen, daß ich kein PDS-Mitglied (was im übrigen nichts Ehrenrühriges ist) bin und daß die „junge Welt“ (Jay Kay bezieht sich auf einen dort erschienenen Artikel von mir) kein PDS-Blatt ist usw. Feindbilder existieren auch gänzlich unabhängig von jedem auch nur minimalen Gehalt weiter fort, und Jay Kay ist völlig verstrickt in das gängige Feindbild von der PDS, das von einem breiten politischen Spektrum (Hintze als Generalsekretär der CDU an vorderster Front) propagiert wird. In Neonazi-Kreisen ist, das Geständnis des verhafteten Kay Diesner (vgl. dpa-Meldung vom 26.2.) machte das zeitgleich mit Jay Kays Erklärung deutlich, PDS-Mitgliedschaft (vermutete oder tatsächliche) ein Attentatsgrund. AS

 

  1. Es handelt sich um eine randvoll beschriebene DIN A 4 Seite ohne Titel und ohne jeglichen Absatz. Sie lag u.a. beim geplatzten Bochumer Auftritt am 28.2.1997 aus. Der Text ist hier originalgetreu wiedergegeben; lediglich der Einsatz der Leertaste nach – und nicht vor – Satzzeichen wurde korrigierend vereinheitlicht. []

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