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Totgesagte leben länger

 

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx
von Wolfgang Kastrup, erschienen in DISS-Journal 35 (2018)

Der tote Hund beißt zurück – auch nach 200 Jahren: Die Wiederentdeckung Marx‘scher Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie geht einerseits auf die Unfähigkeit bürgerlicher Wirtschaftswissenschaft zurück, kapitalistische Krisen zu erklären geschweige denn vorherzusagen, siehe die fundamentale Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008. Andererseits ist sie eine Antwort auf die individuellen Leiderfahrungen vieler Menschen, verursacht durch geringe Einkommen, prekäre Jobs, unsichere Lebensplanung, zunehmende Arbeitshetze und Arbeitsverdichtung, durch den immer stärker werdenden Konkurrenzdruck. Mit der neoliberalen Regulation des Kapitalismus sind diese Leiderfahrungen vieler Menschen intensiver geworden. Die Marx‘sche Ökonomiekritik bietet Erklärungsansätze, die heute wieder von Interesse sind.

Der rote Faden, der das Werk von Karl Marx insgesamt bestimmt, ist kritische Theorie, in dreierlei Hinsicht: Erstens richtet sie sich gegen die damaligen ökonomischen und gesellschaftlichen Theorien zur Erklärung kapitalistischer Gesellschaften, zweitens gegen die kapitalistischen Verhältnisse selbst und drittens gegen das Alltagsdenken, das diese Verhältnisse als naturwüchsige bzw. natürliche betrachtet. (Vgl. Israel 1985, 10) Für Helmut Reichelt kritisiert Marx „die Wirklichkeit dieses ökonomischen Systems“, ein System voller Widersprüche und Krisen, ein „verselbständigtes Getriebe“, das auch als „verkehrte Welt“ charakterisiert werden könne. (Reichelt 2001, 11) Die Zumutungen kapitalistischer Gesellschaft sind Konsequenzen immanenter Strukturmomente, unterliegen der kapitalistischen Funktionslogik. Natürlich können auch individuelle Fehlentscheidungen in Unternehmungen oder/und der herrschenden Politik verantwortlich sein, im Kern geht es aber um die Konsequenzen einer Produktionsweise, deren Sinn und Zweck die Verwertung von Wert ist.

„Die kapitalistische Produktionsweise entwickelt […] nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (MEW 23, 529f.)

Maßstab der Kritik von Marx ist also nicht ein moralischer Standpunkt oder etwa die For derung nach einem ‚gerechten‘ Lohn, sondern es geht um die kapitalistische Funktionslogik, um die Grundstruktur einer Produktionsweise, die die Lebensinteressen der Menschen untergräbt.

Die radikale Kritik von Marx am Kapitalismus möchte ich an einigen zentralen Beispielen deutlich machen.

Entfremdungskritik

Lange verpönt und kritisiert erlebt der Begriff der Entfremdung in den Sozialwissenschaften und der Philosophie als Schlüsselbegriff eine Wiedergeburt. Zwar gibt es den Entfremdungsbegriff nicht erst bei Marx, doch erst mit Marx, von Hegel und Feuerbach beeinflusst, gewinnt der Begriff eine besondere Bedeutung zur Erklärung sozialökonomischer Verhältnisse. Marx unterscheidet in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 (veröffentlicht 1932), immer unter der Voraussetzung der herrschenden kapitalistischen Produktionsweise, vier miteinander zusammenhängende Formen der Entfremdung:

  1. Entfremdung zu den eigenen Produkten. Das bedeutet, dass der Produzent über die Gegenstände der eigenen Herstellung keine Verfügung hat, da sie ihm nicht gehören.
  2. Entfremdung zur eigenen Tätigkeit (Selbstentfremdung). Die eigene Arbeit wird ihm fremd, er kann nicht über sie verfügen, da die Arbeit fremdbestimmt ist, unfrei und erzwungen.
  3. Entfremdung vom „Gattungswesen“. Ein produktives und sinnvolles Leben im Sinn einer freien und bewussten Tätigkeit ist so nicht möglich, da die Arbeitskraft des Menschen als Ware Mittel zum Zweck kapitalistischer Profiterzielung ist.
  4. Entfremdung zu den anderen Menschen. Für Marx ist diese Entfremdung die Konsequenz aus den drei vorhergehenden Formen. Entfremdet arbeitende Menschen verhalten sich gleichgültig zueinander, sie haben keine Kontrolle über ihre Arbeit und die Dynamik des Konkurrenzdrucks verschärft die Arbeitssituation. (Vgl. MEW 40, 510-522)

Diese wirkmächtige Entfremdungskritik aus den Frühschriften von Marx macht deutlich, dass die kapitalistische Produktionsweise die sozialen Verhältnisse, die Sozialbindungen dominiert. Die Entfremdungskritik des sogenannten jungen Marx ist Teil seiner kritischen Theorie und sollte nicht wegen anthropologischer Züge bezüglich des Wesens des Menschen („Gattungswesen“) von dem sogenannten späten Marx des Kapitals, wie es Louis Althusser fordert, abgespalten werden: kein Bruch, keine Trennung zwischen Früh- und Spätwerk, sondern Weiterentwicklung, Werkentwicklung

Rahel Jaeggi und Robin Celikates sehen in dieser Entfremdungskritik von Marx „durchgängig zwei Dimensionen […]: einerseits die Unfähigkeit, über das, was man tut, Kontrolle auszuüben, d.h. individuell oder kollektiv ‚Subjekt der eigenen Handlungen‘ zu sein (das Problem der Ohnmacht); andererseits die Unfähigkeit, sich mit dem, was man tut, und mit denjenigen, mit denen man es tut, sinnhaft zu identifizieren (das Problem der Verarmung, des Sinnverlusts und der Bedeutungslosigkeit der Welt).“ Es sei eine „Doppelung von Machtlosigkeit und Sinnverlust […].“ (Jaeggi/Celikates 2017, 81)Wenn diese angesprochene „Doppelung von Machtlosigkeit und Sinnverlust“ ihren Bezugspunkt in der Organisation kapitalistischer Produktion und ihren Widersprüchen sowie des Weiteren in den damit zusammenhängenden gesellschaftlichen wie politischen Phänomenen hat (z.B. in Ohnmachts- und Feindseligkeitsgefühlen von Individuen und Organisationen gegenüber politischen Prozessen und Personen), so ist die Thematik sehr aktuell. Wird zudem die Deutung des Begriffs in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten als Entwicklungsschritt hin zur Analyse von „Verdinglichung“ und „Warenfetischismus“ im Kapital interpretiert und so die entfremdete Arbeit als Kategorie mit der Kategorie der abstrakten Arbeit verbunden, dann zeigt sich hier ein gesellschaftskritisches Potenzial für  die Analyse der Negativität der kapitalistischen Gesellschaft.

Fetischisierte Verhältnisse

Der Begriff des Fetischismus ist deshalb wichtig, weil damit „die Verzauberung gesellschaftlichen Handelns in Quasi-Natureigenschaften der Dinge“ (Erckenbrecht 1976, 107) präzise dargestellt werden kann. Er ist für Marx „unzertrennlich“ mit der Warenproduktion verbunden und entspringt „aus dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, welche Waren produziert.“ (MEW 23, 87) Dieser Fetischismus hat also nichts mit dem Fetisch zu tun, der heute im Alltag als Markenfetisch beschrieben wird. Treten gesellschaftliche Beziehungen als dingliche Eigenschaften auf, in einem Prozess der Verdinglichung, und erscheint es quasi-natürlich, dass Arbeitsprodukte Warenform und Wertcharakter annehmen, bedeutet das, dass gesellschaftliche Verhältnisse naturalisiert werden, als natürliche Verhältnisse gesehen werden.

Die Kritik, die im Fetischkapitel von Marx im 1. Band des Kapitals zum Ausdruck kommt, ist in zweierlei Hinsicht zu deuten: Einerseits als Kritik gegenüber dem verdinglichten Alltagsverstand, andererseits aber immer auch als Kritik gegenüber den Vertretern der politischen Ökonomie.

Der Warenfetisch wird bei Marx noch ergänzt um den Geld- und Kapitalfetisch. Der Geldfetisch erscheint als „gesellschaftliche[s] Naturereignis“ wird von Marx als „sichtbar gewordne“ Gestalt des Warenfetischs gesehen. (Ebd., 107f.) Der Kapitalfetisch wird im dritten Band des Kapitals entwickelt. Diesen Kapitalfetisch, „Geld heckendes Geld“ (Marx, MEW 25, 405) kennzeichnet er folgendermaßen: „Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äußerlichste und fetischartigste Form. Wir haben hier G-G‘, Geld, das mehr Geld erzeugt, sich selbst verwertender Wert, ohne den Prozeß, der die beiden Extreme vermittelt.“ (Ebd., 404) Der vermittelnde Prozess, im „Kaufmannskapital“ als G-W-G‘ dargestellt, fällt hier also weg. Die „beiden Extreme“ sind G-G‘, Geld schafft folglich mehr Geld. „Es verdreht sich auch dies: Während der Zins nur ein Teil des Profits ist, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspreßt, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die eigentliche Frucht des Kapitals, als das Ursprüngliche, und der Profit, nun als die Form des Unternehmergewinns verwandelt, als bloßes im Reproduktionsprozeß hinzukommendes Accessorium und Zutat. Hier ist die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung vom Kapitalfetisch fertig.“ (Ebd., 405) Die Vorstellung also, dass das Kapital als die eigentliche Quelle der Wertschöpfung gesehen wird und nicht mehr die durch die Ware Arbeitskraft geschaffene Mehrwertproduktion des kapitalistischen Produktionsprozesses. Der Fetischismus geht aus der Struktur der kapitalistischen Gesellschaft und der diese Struktur reproduzierenden Handlungen hervor. Es sind die fetischisierten gesellschaftlichen Verhältnisse, die nach Marx die Handlungen der Mitglieder der Gesellschaft beeinflussen.

Mehrwertproduktion durch Ausbeutung der Arbeitskraft

Eine weitere Einsicht bezieht sich auf die angesprochene Mehrwertproduktion und damit auf die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital, ohne die eine Gewinn- bzw. Profitmaximierung nicht möglich ist. Die Mehrwertrate dient Marx dabei als Maßstab für den „Exploitationsgrad“ der Arbeitskraft. „Da der Wert des variablen Kapitals = Wert der von ihm gekauften Arbeitskraft, da der Wert dieser Arbeitskraft den notwendigen Teil des Arbeitstags bestimmt, der Mehrwert seinerseits aber bestimmt ist durch den überschüssigen Teil des Arbeitstags, so folgt: Der Mehrwert verhält sich zum variablen Kapital, wie die Mehrarbeit zur notwendigen, oder die Rate des Mehrwerts m/v = Mehrarbeit / Notwendige Arbeit. […] Die Rate des Mehrwerts ist daher der exakte Ausdruck für den Exploitationsgrad der Arbeitskraft durch das Kapital oder des Arbeiters durch den Kapitalisten.“ (MEW 23, 231f.) Mit der Mehrarbeit wird ein Mehrprodukt erzeugt mit dem entsprechenden Mehrwert, der wiederum Voraussetzung für den Gewinn/Profit ist. Ziel jeder kapitalistischen Produktionsweise ist es, den Profit zu erhöhen. Das Problem liegt nicht in der persönlichen Gier des Kapitalisten, sondern es ist die Funktionslogik der ökonomischen Verhältnisse (Rentabilität der Produktion, Zwang zum Wachstum, in der Konkurrenz mit anderen Kapitalisten lohnende, d.h. gewinnbringende Preise zu erzielen), die diese Gier in diesem System geradezu notwendig machen. Dazu gehört, dass die Lohnkosten natürlich der Rentabilität der Produktion gegenübergestellt werden, denn diese wird nicht nur in ihrer  Normalität und Natürlichkeit nicht infrage gestellt, sondern wird als Teil des Allgemeinwohls angesehen, dem sich alle unterzuordnen haben. Die Warenproduktion dient als Mittel für den Verwertungsprozess des Geldes, der immer größeren Anhäufung von Geldkapital. Deshalb können auch nicht die Bedürfnisse der Menschen entscheidend in diesem System sein, wenngleich dies in den Lehrbüchern der Ökonomie immer angeführt wird und vom Alltagsbewusstsein der Menschen häufig gefordert wird, begleitet von der dunklen Ahnung, das dem nicht so ist.

„Naturnotwendigkeit“ kapitalistischer Produktion

Eine vergleichbare Natürlichkeit im Sinne einer Quasi-Naturnotwendigkeit beschreibt Marx mit der „trinitarischen Formel“ am Ende des 3. Bandes im Kapital. Kapital, Boden und Arbeit (in der Wirtschaftswissenschaft auch als „Produktionsfaktoren“ bezeichnet) würden in der bürgerlichen Ökonomie als ‚naturnotwendig’ angesehen, die Quellen des Reichtums seien voneinander unabhängige Größen. Für die Besitzer von Kapital, Grundeigentum und Arbeit sehe das so aus, als erhielten sie für den Einsatz ihres jeweiligen Produktionsfaktors, den diese der Ware an Wert zugesteuert hätten, ein entsprechendes Einkommen. Zwischen Arbeit und Lohnarbeit werde dabei kein Unterschied gesehen (vgl. MEW 25, 833). So entsteht also der Schein, die Mystifikation, als seien der Zins von Kreditgebern und der Gewinn von Unternehmern, die Rente des Grundeigentümers und der Lohn des Arbeiters nichts anderes als der in Geld ausgedrückte Anteil am gesamten Produkt, der ihnen gerechterweise zukomme. Heutige Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaft verkünden genau diese Ideologie von den „drei Produktionsfaktoren“ Arbeit, Boden und Kapital. Es ist dieser Schein, diese Mystifikation, die Marx auch als weitere Form des Fetischismus bezeichnet.

Kapitalistische Produktionsverhältnisse, von Marx in ihrem idealen Durchschnitt betrachtet, erscheinen so als sachliche und natürliche Gegebenheiten, in denen die Historizität des gesellschaftlichen Produktionsprozesses nicht mehr auf-scheint. Obwohl alle Menschen im Kapitalismus diesem Fetischismus unterliegen, liegt der Inhalt dieser trinitarischen Formel – also der ideologische ‚Glaube‘ an die Lehre von den drei Produktionsfaktoren – im Interesse derjenigen, die von dieser Mystifikation den Nutzen ziehen: die Klassen der Kapital- und Grundeigentümer. Dass diese kapitalistischen Verhältnisse als „Naturnotwendigkeit“ gesehen werden, um daraus eine natürliche Berechtigung der „Einnahmequellen“ abzuleiten und zu einem „Dogma“ zu erheben, darin liegt ihr Interesse. (Vgl., Marx, MEW 25, 839) Das heißt aber nicht, dass dieses „Dogma“ Ewigkeitswert hat, denn dieser Schein, diese Mystifikation, diese Verkehrung können durch Erfahrung und Reflexion durchbrochen werden.

Was bleibt zum 200. Geburtstag?

Das Werk von Karl Marx, und hier insbesondere sein Hauptwerk Das Kapital, zeichnet sich durch eine radikale Kritik am Kapitalismus aus. Für Michael Heinrich, einem der profundesten Marx-Kenner im deutschsprachigen Raum, enthält dieses Hauptwerk „die radikalste Kritik am Kapitalismus, die jemals unternommen wurde.“ (Heinrich 2017a, 71) Aber Heinrich macht auch deutlich, dass das Kapital noch „unfertig“ ist. „Dies gilt nicht bloß in dem banalen Sinn, dass sich der Kapitalismus weiterentwickelt und dass daher immer wieder Aktualisierungen oder Ergänzungen notwendig sind. Das Kapital ist bei wichtigen theoretischen Grundfragen, wie etwa der Kredit- oder der Krisentheorie noch unfertig.“ (Heinrich 2017b, 433)

Die Auseinandersetzungen um sein Werk beinhalten sicherlich eine unendliche Geschichte. Der Streit um seine Theorie, um die ‚richtige’ Auslegung, hat Generationen von Teilnehmer*innen von Kapitalschulungen beschäftigt und ist von ‚Marxologen‘ immer wieder befeuert worden. Von der bürgerlichen Wissenschaft wurde und wird sein Werk vielfach totgeschwiegen oder deshalb in Abrede gestellt, weil sonst die Kategorien der eigenen Wissenschaft untergraben würden. Vielleicht auch, weil die Marxsche Theorie als Provokation empfunden wird.

Der Marxismus war in der Vergangenheit nicht nur Herrschaftskritik, sondern auch dogmatische, kanonisierte und autoritäre Herrschaftspolitik, Parteidogmatismus. Einen solchen Dogmatismus, eine solche Kanonisierung hat Marx selber immer wieder abgelehnt, und es hätte auch seinem Anspruch auf wissenschaftliche Auseinandersetzung widersprochen. Nicht umsonst soll er, laut Friedrich Engels, von sich selber gesagt haben, dass er kein Marxist sei. Ein solcher Dogmatismus, eine solch kanonisierte Wissenschaft wird autoritär und untergräbt die eigenen Grundlagen und ist deshalb für eine theoretische Weiterentwicklung nicht zu haben. Deshalb verursachte der Marx-Ismus auch fundamentale Probleme. Aber: Mit dem Marxismus ist eine Forschung verbunden, um Gegenstände und Prozesse nicht nur der kapitalistischen Produktion, sondern auch der entsprechenden Lebenswelt in ihrer Widersprüchlichkeit zu durchdringen. Es geht dabei um die Funktionslogik der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, der Verwertung von Wert, dem ökonomische wie gesellschaftliche Prozesse wie Be reiche in ihrer historischen Dynamik immer mehr unterworfen wurden und heute werden (u.a. durch Privatisierung und Kommerzialisierung). Mit dem Zwang zur Verwertung und Akkumulation ging und geht das Kapital vielfach rücksichtslos über die Interessen und Bedürfnisse der Menschen und über die lebendige Natur hinweg. Die dabei entstehenden kleinen wie großen Wirtschafts- und Finanzkrisen zeigen in ihrer zerstörerischen politischen, sozialen wie ökologischen Kraft, dass diese Krisen keine Unfälle sind, die man durch neoliberale oder keynesianische wirtschaftspolitische Maßnahmen vermeiden kann. Diese Konzepte haben vielfach ihre Unfähigkeit bewiesen. Das Prinzip der Gewinn- bzw. Profitmaximierung durchdringt nicht nur alle ökonomischen wie gesellschaftlichen Bereiche, es untergräbt auch die eigenen Bedingungen für diese Gewinn- bzw. Profitmaximierung. Krisen können in ihrer zerstörerischen Kraft durch wirtschaftspolitische Maßnahmen zwar etwas entschärft werden, auch dies zeigt die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007/8, kontrollieren und verhindern kann das Kapital und die herrschende Politik sie nicht.

Der Marxschen Theorie geht es um die Emanzipation der Menschen vom Kapitalismus, sie ergreift Partei für die Überwindung von Klassenverhältnissen. Damit geht es um die strukturelle Transformation kapitalistischer Produktionsund Lebensverhältnisse, um die produktive Aneignung dieser Verhältnisse durch die Menschen. Dies schließt die Emanzipation der Menschen von Herrschaftsverhältnissen ein. Damit sind theoretische wie praktische Fragestellungen verbunden, auf die noch Antworten gefunden werden müssen.

Literatur
Erckenbrecht, Ulrich 1976: Das Geheimnis des Fetischismus, Frankfurt/M. u. Köln.

Heinrich, Michael 2017a: Marx, Leben und Werk. Ein Interview von Jerôme Skalski, in: Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 111, S. 67-72.

Heinrich, Michael 2017b: 150 Jahre „Kapital“ – und kein Ende, in: Prokla 188,  S. 421-434.

Israel, Joachim 1985: Der Begriff der Entfremdung, Reinbek bei Hamburg.

Jaeggi, Rahel/Celikates, Robin 2017: Sozialphilosophie, München.

MEW 23: Marx, Karl 1971: Das Kapital, Bd. 1 [n.d.4.Aufl.v.1890], Berlin.

MEW 25: Marx, Karl 1971: Das Kapital, Bd. 3 [n.d.1.Aufl.v.1894], Berlin.

MEW 40: Marx, Karl 2012: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844 [zuerst 1932], 3. überarbeitete u. erweiterte Auflage, Berlin, S. 465-588.

Reichelt, Helmut 2001: Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx, Neuauflage, Freiburg/Br.

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