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Neonazis in Nadelstreifen

 

Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. Rezension von Katrin Huck. Erschienen in DISS-Journal 17 (2008)

Andrea Röpke und Andreas Speit haben bereits in den letzten Jahren mehrfach zur Thematik des Rechtsextremismus veröffentlicht. Im vorliegenden Buch versammeln sie Beiträge, die Wege und Strategien der NPD aufzeigen, wie diese Sympathien und Akzeptanz in der Gesellschaft zu gewinnen versucht. Dabei lebt das Buch von der Gegenüberstellung von der sich als bürgernah und jugendfreundlich verkaufenden NPD und der Darstellung rechter Gewalttaten und ihrer Folgen.

Gezielt sucht die NPD ihre kommunalpolitische Verankerung voranzutreiben, in dem sie sich als die wahre Vertreterin der Interessen des von den großen Volksparteien im Stich gelassenen „kleinen Mannes“ verkauft. So werden die hilflos klingenden Stellungnahmen von Kommunalpolitiker wieder gegeben, die beobachten, wie in ihrem Wahlkreis die Akzeptanz gegenüber rechtsextremen Inhalten wächst. Meist sind die Vertreter der NPD längst in den kommunalen Strukturen wie Vereinen und Bürgervertretungen verwurzelt. So fällt es schwer, den menschenverachtenden Hintergrund ihrer Parteizugehörigkeit herauszuheben. Dass der Zuspruch der NPD sich aber nicht nur auf den Osten Deutschlands beschränkt, verdeutlicht ein Beitrag über die Aktivitäten der NPD in Bayern.

Die Einzelportraits von Opfern rechter Gewalttaten sowie die Anzahl von Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund zeigen aber, dass die NPD nicht die friedliebende, hilfsbereite Partei ist, als die sie sich zu verkaufen sucht. Eine Partei, die als „Gravitationsfeld der rechten Szene“ anzusehen ist, und die die Kooperation mit „freien Kameradschaften“ sucht, kann sich einer Verantwortung gegenüber rechtsextremen Straftaten und Ausschreitungen nicht entziehen. Umso erschütternder klingen die Darstellungen, wenn die Opfer berichten, wie sie auch von staatlicher Seite im Stich gelassen wurden. Bekanntester Fall ist hier der Überfall in Halberstadt auf eine Schauspielergruppe, wo erst die Polizei am Ort des Geschehens versagte, so dass die Täter entkommen konnten, und dann der Prozess von den Opfern als „Farce“ empfunden wurde.

Doch wird auch aufgezeigt auch, dass sich der Druck rechter Gruppierungen nicht nur auf Einwanderinnen, sondern auch auf Frauen und Kinder richtet, die psychische wie physische Gewalt über sich ergehen lassen müssen.

„Neonazis in Nadelstreifen“ versammelt leicht zu lesende Beiträge, die gut recherchiert sind und verdeutlichen, dass eine Partei, die die Schwachen in der Gesellschaft ausgrenzt und unterdrückt, inakzeptabel ist. Gleichzeitig wird die Frage danach, warum diese in Teilen der Bevölkerung trotzdem Akzeptanz erfährt, nicht unbeantwortet gelassen.

 

Andrea Röpke / Andreas Speit (Hg.)
Neonazis in Nadelstreifen
Die
NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft
2008 Berlin: Links-Verlag
ISBN: 9783861534679
208 S., 16,90 €

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