DISS-JOURNAL 2/98

DISS intern

horizontal rule

Ein DISS-Projekt zeigt:
Straftaten von Einwanderern schildern die Print-Medien drastisch - und fast immer rassistisch

 

Auch Einwanderer begehen Straftaten. Und die Printmedien berichten darüber, täglich und sehr ausführlich. Eine noch nicht veröffentlichte DISS-Studie vergleicht die Berichterstattung über Straftaten von Einwanderern und Deutschen und kommt zu dem Ergebnis, daß nahezu alle JournalistInnen - auch diejenigen, die bewußt nicht rassistisch argumentieren möchten - bei solcher Berichterstattung rassistisch in den Einwanderungsdiskurs verstrickt sind.

Straftaten von Einwanderern werden in aller Regel drastischer geschildert als die von Deutschen. Ein spezifischer kultureller Hintergrund wird, oft durchaus in entschuldigender Absicht, als für die Straftaten mitverursachend angeführt - auch wenn er mit der Tat gar nichts zu tun hat. Ausländisch klingende Namen werden, mit dem Argument des Personenschutzes, durch andere ausländische Namen ersetzt, so daß auch weiterhin der Diskurs über Einwanderung negativ angesprochen wird. Auch die häufig betonte Hautfarbe verweist auf die Andersartigkeit der Einwanderer; durch ihre Sprache werden sie oft als Fremde markiert. So klinkt sich die Berichterstattung über Straftaten von Zuwanderern - ob beabsichtigt oder nicht - fast immer in den rassistisch aufgeladenen Einwanderungsdiskurs ein, sie produziert und reproduziert ihn und tendiert dazu, "Ausländer" und "Kriminalität" in einen fast "natürlich" wirkenden Zusammenhang zu bringen.

Für JournalistInnen steht die Falle des Rassismus weit offen, denn sie haben mit einem Dilemma zu tun: Bei der Berichterstattung über Straftaten wird 1. eine Gruppe von Menschen als "nicht deutsch" charakterisiert; diese Gruppe wird 2. - da eine Straftat vorliegt - negativ dargestellt, also nolens volens bewertet; und diese Darstellung und Bewertung erfolgt 3. in Übereinstimmung mit dem hegemonialen Diskurs. Damit sind alle Elemente beisammen, die den Rassismusbegriff ausmachen, so wie er in der modernen Rassismusdiskussion verwendet wird: Rassenkonstruktion, negative Bewertung und die Machtposition, aus der heraus solche Berichterstattung stattfindet.

Hier gibt es viel zu tun, wenn eine Berichterstattung, die den Rassismus verschärft, vermieden werden soll. Daher haben die Projektmitarbeiterinnen (Margret Jäger, Gabi Cleve, Ina Ruth und Siegfried Jäger) einen Leitfaden zur Vermeidung diskriminierender Berichterstattung entworfen, der in Diskussionen mit JournalistInnen modifiziert und verbessert werden soll, bevor er endgültig veröffentlicht wird. Das Projekt wurde vom MAGS NRW unterstützt. Projektbericht und Leitfadenentwurf sind ab Sommer 1998 beim DISS erhältlich. Vorbestellungen sind bereits jetzt möglich.

 

 

Internationale Resonanz

 

Die Vortrags- und Vermittlungstätigkeit des DISS wird intensiv fortgesetzt und erfreut sich inzwischen auch größerer internationaler Resonanz. Dabei zeigt sich, daß zum einen weiterhin großes Interesse an den "Kernthemen" des DISS, Rechtsextremismus und Rassismus, besteht. Zunehmend werden aber auch Informationen zum Bereich "Biomacht" / "Bio-Politik" (Gentechnik, Bio-Ethik, Gesundheit, Krankheit etc.) angefragt. Vor allem die Verfahren der "Kritischen Diskursanalyse" erhalten wachsende Aufmerksamkeit. Diskursanalyse wird von den sog. Textwissenschaften (Psychologie, Pädagogik, Soziologie u.a.) inzwischen breit rezipiert, da ihre eigenen, meist Texte nur paraphrasierenden Verfahren von vielen als unbefriedigend angesehen werden.

In den letzten Monaten haben DISS-MitarbeiterInnen Vorträge, Seminare und Vorlesungen in Brüssel, Klagenfurt und Wien absolviert. Margret Jäger wurde für das Sommersemester auf eine Gastprofessur an der Universität Klagenfurt berufen, wo sie im Fachbereich Erziehungswissenschaften über Diskursanalyse und Rassimus las und Seminare abhielt. Die "Gesellschaft für Deutsche Sprache", die einen Zweig an der Universität Brüssel eingerichtet hat, interessierte sich für die Ergebnisse der DISS-Forschungen zu "Rechtsextremismus und Rassismus in der deutschen Sprache".

 

 

Schleichende Restauration rechten Denkens

 

Im Herbst erscheint im Aufbau-Verlag Berlin ein Buch von Margret und Siegfried Jäger mit dem Titel "Gefährliche Erbschaften. Die schleichende Restauration rechten Denkens". Das Buch stützt sich auf die Tagebücher Victor Klemperers und analysiert rechtsextreme Medien-Diskurse der Gegenwart und das Eindringen rechter und völkischer Ideologie in Politik, Medien und Alltag.

 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an:  webmaster@diss-duisburg.de
Copyright © 2010 Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung