DISS-JOURNAL 9(2001)

 

 

Die Al-Aksa-Intifada und die deutsche Presse
DISS-Projekt zum Nahost-Konflikt

 

Seit dem Tempelberg-Besuch Ariel Scharons im September 2000 eskaliert der Nahost-Konflikt durch die darauf folgenden Auseinandersetzungen in eine so genannte zweite Intifada, die Al-Aksa-Intifada.

Die deutsche Medienberichterstat­tung über den Konflikt und über die nicht enden wollenden gewalttätigen Ereignisse hat das Berlin Office des American Jewish Committee dazu bewogen, dem DISS im August den Auftrag für eine Diskursanalyse dieser Berichterstattung zu erteilen. Diese Untersuchung hat das Ziel festzustellen, ob und wie der deutsche Diskurs über Israel und die Palästinenser durch Vorurteile geprägt ist. Die ersten Ergebnisse dazu sollen bereits Mitte Dezember vorliegen.

Dazu werden sieben Zeitungen, die den Zeitraum September 2000 bis August 2001 umfassen, mit dem Verfahren der Kritischen Diskursanalyse untersucht.

Um das umfangreiche Material bearbeiten zu können, haben wir zu dem Diskursiven Ereignis Al-Aksa-Intifada vier damit gekoppelte Ereignisse herausgestellt, deren Berichte wir detailliert analysieren: Der Besuch Scharons auf dem Tempelberg, der Tod des palästinensischen Jungen Mohammad al-Durrah, der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah und das Attentat auf eine Diskothek in Tel Aviv.

Erfahrungsgemäß bündeln sich in der Medienberichterstattung zu solchen Ereignissen die vorhandenen politischen Positionen und Einstellungen, so dass eine Untersuchung herausarbeiten kann, mit welchen unterschiedlichen Perspektiven der derzeitige Nahost-Konflikt insgesamt wahrgenommen wird. Parallel dazu werden Überblicksanalysen einiger TV-Berichte von ARD und ZDF die Diskursanalyse der Printmedien sozusagen begleiten. Es wird die Frage zu beantworten versucht, ob vor allem im Bereich der Kollektivsymbole ähnliche oder gar die gleichen „Bilder“ mit dem Geschehen korrespondieren. Nach Erstellung erster Strukturanalysen ist bereits festzustellen, dass die bundesdeutsche Presse sehr wohl um Ausgewogenheit und Neutralität bemüht ist, und dennoch quasi selbstverständlich Haltungen und Meinungen sowohl über „die Juden“ oder „den jüdischen Staat“ als auch über gewalttätige Palästinenser produziert und reproduziert, die antisemitischen und antiislamischen Vorurteilen Vorschub leisten.

 

 

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