DISS-JOURNAL 7(2000)
Veranstaltungen
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Österreich mal anders...
Ein Veranstaltungsbericht von Frank Wichert
In den letzten Monaten machte Österreich vor allem durch die Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ auf sich aufmerksam sowie durch die Prozessflut, die der nunmehr zurückgetretene FPÖ-Frontmann Jörg Haider gegen seine Kritiker losgetreten hat.
In diesem Zusammenhang lässt eine Veranstaltung in Linz aufmerken, die sich in kritischer Absicht dem Problem der ‘freien Meinungsäußerung‘ widmete. Eingebettet in eine Veranstaltungsreihe der Ars Elektronica 2000 veranstaltete der Lokalsender Radio FRO in Linz im September 2000 in Kooperation mit verschiedenen Initiativen ein „Free Speech Camp".
Aus sehr unterschiedlichen Perspektiven wurde der Frage nachgegangen, welche Funktion(en) Medien in Kriegssituationen einnehmen. Der provokanten Frage: „No media – no war in Yuguslavia?" stellten sich Vertreter der jugoslawischen Presse, die Friedensforscher Heinz Pflüger und Hannes Hofbauer, Brigadegeneral der Bundeswehr a.D. Heinz Loquai und ein Vertreter des DISS. Vor allem Heinz Loquai wurde durch seine Kritik am „Hufeisenplan" bekannt. Er wurde von Verteidigungsminister Scharping entlassen und quittierte dies mit einem Buch „Der Kosovokonflikt. Wege in einem vermeidbaren Krieg". Die unterschiedlichen Ausgangspositionen ließen eine kontroverse Diskussion erwarten, die sich erstaunlicherweise aber nicht einstellte. Es stellte sich bei den Anwesenden eine konsensuale Ablehnung der hegemonialen Medien ein, weil und insofern diese den Krieg in seiner Tendenz als „normale" Auseinandersetzungsform beschrieben. Allerdings wurde diese Ablehnung von den Teilnehmern unterschiedlich begründet: Betonte der eine, daß die Medien sich vor den Karren der Politiker haben spannen lassen, so war dem anderen das Kapital-Interesse am Krieg und seiner Darstellung in den Medien wichtig. Vor allem die Vertreter der jugoslawischen Presse betonten wiederum die Schwierigkeiten, unter Zensurbedingungen eine kritische Berichterstattung zu organisieren.
Trotz dieser Unterschiede, die - natürlich - im Rahmen eines solchen Camps auch nicht ausgeräumt werden konnten, konnte man sich auf die Bedeutung des Internet als Konstrast zu den hegemonialen Medien verständigen, da hier kaum Zensur möglich ist.
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