DISS-JOURNAL 7(2000)
Krimskrams
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Keine Stühle für Österreicher
Wer hat Deutschland wiedervereinigt? Der Kanzler der Einheit? Die Demonstranten im Osten? Willy Brandt mit seiner Entspannungspolitik? Alles falsch.
Der Ruhm gebührt einem Alpenvolk, das in entscheidender Stunde Mut bewies und jetzt noch nicht mal zum Festakt bei der Zehnjahresfeier eingeladen wurde. Leider erinnerten sich „manche Machthaber" in Berlin nicht mehr an „die historische Rolle Österreichs", klagte Bundeskanzler Schüssel, und Bundespräsident Klestil sagte, Österreich habe doch immerhin „Zehntausenden DDR-Bürgern die Weiterreise von Ungarn in die Bundesrepublik ermöglicht". (Focus-online)
Ja, eben. Wirtschaftsflüchtlinge sind nämlich laut Gesetz in ein sicheres Drittland, zum Beispiel Ungarn, abzuschieben. Andernfalls droht Champagner-Entzug. Aus Berlin verlautete übrigens, man habe die Österreicher nicht eingeladen, weil die Teilnehmerzahl beim Festakt begrenzt sei. Nicht nur das Boot, auch die Stühle sind eben voll.
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König Etzel, Christina Rau und die Araber
Um 1900 wurden bekanntlich die Chinesen frech. Mit den Worten „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!" verabschiedete Kaiser Wilhelm in seiner „Hunnenrede" die deutschen Truppen. „Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht", sollten sich nun Deutsche in China betätigen, auf daß „niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen."
Hundert Jahre später sind wir natürlich erheblich zivilisierter. Aber die Araber am Ölhahn und besonders Saddam, der den Sprit-Preis über zwei Mark treibt, brauchen wohl doch eine Lektion. Einerseits sollte man die Ölreserven freigeben, um den Preis zu drücken, schlägt DIE ZEIT vor, andererseits wäre aber auch ein bißchen Militär gegen Saddam nicht schlecht: „Ihn dabei etwas heftiger an seine militärische Verwundbarkeit zu erinnern wäre ein nützliches Begleitsignal" (DIE ZEIT 21.9.00). Falls wir demnächst etwas heftiger werden und unsere Tornados einsetzen, wird Christina Rau, die „wohl schnellste First Lady der Welt" (WAZ, 12.10.2000), sicher gerne mitfliegen. Christina Rau war nämlich auf Truppenbesuch im Fliegerhorst Eggebek und durfte eine Runde im Tornado drehen. Anschließend schwärmte sie: „Es war einfach wunderschön!" und ermutigte junge Frauen, „den Pilotenberuf zu ergreifen." Wäre das nicht wunderschön, wenn endlich Hunnen und Hunninnen gemeinsam in todschicker Fliegermontur über die Ölfelder sausen dürften?
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Content wird King
Arbeitslose GermanistInnen aufgepaßt! Wenn der NEMAX fällt, bietet euch der „Neue Markt" ungeahnte Chancen. „Wie wichtig ist Content?" fragt die Zeitschrift „e MARKET – Wochenmagazin für Online-Marketing und E-Commerce" in ihrer Ausgabe vom 21.7.2000 und antwortet: „Inhalt regiert die Web-Welt. Technik allein kann es nicht mehr richten, attraktive Inhalte werden für Websites zur Existenzfrage: Content wird King."
Dieses war der gute Streich, doch die Warnung folgt sogleich: „Zu viel Inhalt kann Kunden kosten"! Wieviel Content ist denn im Web normal? Darf man ganze Sätze bauen und wenn ja, wie viele? Dies regeln ein „Web-Content-Management" und ein geschicktes „Content-Handling". Solche Finessen verschlingen zwar, sagt ein Branchenexperte, ein Drittel der Personalkosten, „aber nur durch guten Content werden unsere Produkte sexy, die Seiten interessant, bekommen die Käufer Impulse."
Da will auch das DISS nicht länger abseits stehen. Unsere Web-Seiten werden seit September 2000 von einem neuen Web-Content-Manager betreut, auf daß ein reißender Strom aktueller Impulse auch unsere Produkte sexy machen möge. Oooh, uuuh, Schatz, klick mich an unter www.uni-duisburg.de/DISS
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Christoph
Wenn das Schicksal Schiedsrichter spielt
Eine Doku-Soap in 5 Folgen
Folge 1: In The Ghetto
„Aus kleinen Verhältnissen stammend, gierte er nach Ruhm und Reichtum." (WAZ) „Der Arbeiterjunge aus einer Bergmanns-Kolonie im tristen Duisburg-Beeck versuchte mit allen Mitteln, sein Straßenköter-Image loszuwerden." (Die Woche) Christoph, „klein, schmächtig, schüchtern" (Stern), heiratet Ursula und kämpft verbissen um seinen Traum. Wird er sich durchbeißen bis in die erste Liga?
Geschafft! Christoph, „der Emporkömmling" (Focus), steigt auf von „der durchschwitzten Terrier-Kultur des Sports" in die „Glitzer-Sphäre des Entertainments" (Die Woche). Christoph trägt Armani und lacht im Studio. Doch schon dräuen dunkle Wolken am Horizont des Glücks, denn: „Aufsteiger wie Daum sind besonders gefährdet." (Stern) Das Schicksal liegt schon auf der Lauer und will seinen Lauf nehmen. Können Ursula und die Kumpels ihn retten?
Folge 3: Im Sumpf aus Drogen und Sex
Christoph verliert die Bodenhaftung. Er verläßt Frau Ursula, die Kinder und das Reihenhaus und zieht in die Villa der Geliebten Angelika, die rote Haare hat. Sie lebt „vom und im Showbusiness" (Stern) und führt Christoph „in die Halbwelt Mallorcas" ein (Focus). Er „versank in einer Welt, die nur an der Oberfläche glitzert" (Stern), feierte „Sex-Parties" und „Orgien im 7. Stock" und trieb es mit drei Frauen gleichzeitig (BILD). „Und es gab fast immer Kokain" (Stern). Wird Christophs Arbeiterseele zerbrechen „im Teufelskreis von Erfolgsdruck und Drogen, Liebe und Geldsorgen" (Focus)?
Folge 4: Abpfiff im Morgengrauen
Christoph schnupft auf dem Klo, hat „Flackeraugen" und muß sich die Nase operieren lassen (Bild). Trotzdem hält er durch, denn sein größter Triumph rückt in greifbare Nähe: Der Stuhl von Sepp Herberger soll ihm gehören. Doch da sind noch Uli und andere Kumpels, die den Mund nicht halten können. Christoph wird „in die Enge getrieben" (WAZ). Und dann kommt der tiefe Fall ins Nichts (WAZ). Der „Nachweis um Haareslänge" (Focus) ist „ein Absturz ohnegleichen", wie bei Uwe Barschel (WAZ). Wird auch Christoph in einer Genfer Badewanne enden?
Folge 5: Rettung im Sternbild Hoffnung
Doch im Dunkeln, da wächst das Rettende: „Baby in Sicht“ (Die Bunte). Die rothaarige Angelika läutert sich zur werdenden Mutter. Christoph kann wieder Halt in einer neuen Familie finden. Ein Kind bringt Sinn und Ordnung in die Welt und Altmeister Stanley Kubrick (Odyssee 2001) führt Regie:
„Im Dunkel der Ewigkeit warten die Seelen darauf, in einen kleinen Fötus zu schlüpfen, um wieder auf die Erde zu kommen. Sie passen genau den richtigen Moment ab, um das Leben zu erwischen, das die Sterne ihnen zugesagt haben, heißt es. In diesem Fall hätte ein Kind den Moment gewählt, in dem es in einem verwirrten Fall allein durch seine Existenz Prioritäten setzt." (Die Bunte)
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