DISS-JOURNAL 6(2000)
Kurzmeldungen
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Freiheit der Politik
In der DDR hatten Künstler sich bekanntlich der Linie der Partei unterzuordnen. Vera Lengsfeld, ehemalige Bürgerrechtlerin in der DDR und heute CDU-MdB hat Sehnsucht nach alten Zeiten.
„Es gilt, die Freiheit der Politik gegen die Anmaßung der Kunst zu verteidigen".
Anlaß der Klage war das umstrittenen Haake-Kunstwerk „Der deutschen Bevölkerung" im Reichstag (zitiert in der „Jungen Freiheit" vom 7.4.2000)
Gemetzel im Management
Woran ist die Mega-Bankenfusion gescheitert? Was trieb den Chef der Deutschen Bank, Breuer und seinen Kollegen Walter von der Dresdner in den entscheidenden Stunden? Die Soziobiologie hat die Antwort gefunden („Stern" 16/2000):
„Uralte Instinke" haben die Spitzenmanager geleitet. Jeder wollte sein „Revier vergrößern", das „größte Rudel" führen. Es ging „eben auch um die Urfrage der Männlichkeit: Wer hat den Längsten?"
Die Ausgangslage der Verhandlung war überaus kompliziert. „Würde man zwei Rudel fusionieren, gäbe es Mord und Totschlag" gibt „Wolfsforscher" Erik Zimen zu bedenken. „Bei Säugetieren mit hierarchisch strukturierten Gruppen gibt es keine Fusionen, jedenfalls keine friedlichen." Bei feindlichen Übernahmen gilt: „Wenn sie in der Übermacht ist, überfällt die eine Gruppe einzelne Männchen der Konkurrenz. Und tötet sie. Aber erst wenn deren Anführer entmachtet ist, klappt die Übernahme, und die neuen Weibchen können bestiegen werden."
Aber auch die vermeindlich Schwächeren – in diesem Falle wohl die Manager der Dresdner Bank – hatten ihre Chance. Affen, so schreibt der „Stern", greifen schon mal zur List und beißen dem eigentlich stärkeren Konkurrenten ins Gemächte, so daß die Übernahme scheitert: „No balls – ein enteierter Chef".
Honeckers Rache
Morgens fischen, mittags jagen, abends kritischer Kritiker sein. Marx’ Vision - im Osten ist sie möglich. Dort gibt es ABM und Stasi. Die DDR lebt und der „Stern" (16 / 2000) klärt auf:
„Dieselben Leute, die schon die DDR zugrundegerichtet haben, kontrollieren heute den zweiten Arbeitsmarkt im Osten. Und die haben kein Interesse am Erfolg." Es gebe mittlerweile ein „flächendeckende(s) Arbeitsumverteilungssystem", eine „DDR mit anderen Mitteln", „Mitteln aus dem anderen Deutschland: Sozialismus mit Westgeld."
Es kommt aber noch schlimmer: Norbert Langoff, der Abteilungsleiter ABM im Magdeburger Arbeitsamt verrät dem „Stern" die Strategie der Altkader: „Hier kommen doch laufend Leute aus den alten Ländern her. Die schauen sich unsere Arbeitsbeschaffung ab, weil sie das Ganze im Westen eins zu eins kopieren wollen."
Wie sagte Erich Honecker doch treffend: „Den Sozialismus und seinen Lauf halten weder Ochs‘ noch Esel auf."
Rätsel der Vererbungslehre
Wie man jüngst lesen konnte, ist das menschliche Gen vollständig entziffert. Es bleiben aber Rätsel: Welche Gene machen arbeitslos? Wie pflanzt sich der „Sozialhilfe-Empfänger" fort?
In der „Woche" (31.3.2000) erfahren wir, daß die Forscher immer noch im Dunkeln tappen: „Wissenschaft und Statistik wissen fast nichts über diese Menschen. Der Datenschutz mache es unmöglich, teilt das Statistische Bundesamt mit, zu erfassen, wo sich Sozialhilfebezug über mehrere Generationen vererbt."
Was der Wissenschaft verborgen bleibt, enthüllt der Journalismus: In Hamburg-Mümmelmannsberg hat die Autorin der „Woche", Irene Stratenwerth, „Sozialhilfe-Dynastien" entdeckt: „Zwischen Schwarzarbeit, Schulden und Kleinkriminalität hat sich ein ‚Sozialhilfe-Adel‘ etabliert, der für den Arbeitsmarkt verloren ist." Die Adels-Geschlechter reichen bis ins sechste Glied. Kronzeuge Artur Kebernik, Sozialarbeiter vor Ort, weiß: „Wenn das so weitergeht, haben wir hier bald die sechste Generation von Sozialhilfeempfängern."
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