DISS-JOURNAL 5(2000)
Netzwerk gegen Rassismus
Das European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia in Wien besteht seit einem Jahr. Equal voices – Das erste Newsletter soeben erschienen.
Das Europäische Zentrum zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenangst gibt es nun seit etwa einem Jahr. Es handelt sich um eine (unabhängige) Einrichtung der Europäischen Union, die von Beate Winkler geleitet wird und über zur Zeit 15 Mitarbeiterinnen verfügt, ein Team, das alsbald auf 25 aufgestockt werden soll. Ihm gehören WissenschaftlerInnen aus nahezu allen (west) europäischen Ländern an. Das hört sich sehr ermutigend an.
Das erklärte Ziel dieser Institution ist die Bekämpfung von Fremdenangst, Antisemitismus und Rassismus in Europa. Die Ausgangsfrage der Arbeit dieses Zentrums ist, wie man einzelne Individuen und ganze Institutionen davon überzeugen kann, daß es in ihrer eigenen Verantwortung liegt, alles was in ihrer Macht steht, gegen Diskriminierung zu unternehmen und zu verdeutlichen, daß kulturelle, ethnische und religiöse Unterschiede als bereichernde Erfahrungen in den Gesellschaften der Europäischen Gemeinschaft betrachtet werden sollten. Das Zentrum versteht sich als eine aktiv handelnde Institution, die Netzwerke errichten will, der Europäischen Gemeinschaft, seinen Mitgliedstaaten, den NGOs und einer Vielzahl von Initiativen auf den verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen konkrete Hilfestellung bei der Zurückdrängung von Rassismus und Diskriminierung geben will.
Zu den Aufgaben des Zentrums sollen gehören: Ein Ort zu sein, an dem Menschen lernen können, von anderen für andere zu lernen, Brücken zu errichten und Probleme von Rassismus und Xenophobie in kompetenter und zukunftsorientierter Weise anzusprechen.
Für das nächste halbe Jahr ist geplant, ein Informations-Netzwerk aufzubauen, nationale runde Tische anzuregen, Forschungs- und Beratungsaktivitäten durchzuführen, und Kooperationen mit anderen Institutionen zu etablieren.
So heißt es – knapp zusammengefaßt - im Editorial der ersten Ausgabe dieses Informationsbriefes, der zugleich die erste größere Aktivität des Zentrums darstellt. Ob diese hoch gesteckten Ziele erreicht werden, kann selbstverständlich erst die Zukunft zeigen.
Daß es nun ein solches Zentrum gibt, ist auf jeden Fall zu begrüßen. Es wird aber seinen Aufgaben nur gerecht werden können, wenn es sich von staatlicher Bevormundung befreien kann und der Gefahr entgeht, Alibi-Institution zu werden für ein staatliches und institutionelles Handeln, das Rassismus eher zuläßt oder gar erst produziert, als ihn zu verhindern. Wie schwer dies sein wird, zeigt der Bericht über den Macpherson-Report in diesem ersten Informationsbrief, aus dem hervorgeht, wie tief Rassismus auch in den Institutionen dieser westlichen Gesellschaften verankert ist, nicht nur in der Polizei (vgl. dazu auch den kurzen Bericht von Jobst Paul in dieser Ausgabe des DISS-Journals). Die Tatsache, daß das Wiener Zentrum sich nicht mit Problemen von Polizei und Sicherheitskräften befassen darf, auch wenn es das möchte, macht durchaus mißtrauisch. Zwar gibt es viel zu tun, was darüber hinausgeht – hier liegt aber ein Kern der zu bearbeitenden Problematik vor, da es sich um diejenigen staatlichen Repressionsmächte handelt, die in ganz besonders drastischer Weise in diesen gesellschaftlichen Problemzusammenhang verwickelt sind. Für das allerdings noch schwierigere Problem, Rassismus als Phänomen der gesellschaftlichen Mitte zu erkennen und zu bekämpfen, kann das Wiener Projekt zwar durchaus einen Beitrag leisten – wenn es viel Mut aufbringt. Dazu möchten wir Beate Winkler und ihr Team ermutigen!
S.J.
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