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Architekturen des Augenblicks

 

Raum-Bilder und Bild-Räume einer urbanen Moderne in Literatur, Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts. Eine Rezension von Siegfried Jäger. Erschienen in DISS-Journal 10 (2002).

Wie die Analysen von Bollenbeck und auch die Untersuchungen Zeev Sternhells (zur Genese des Faschismus in Frankreich und Italien) versucht auch dieser Band, die Moderne, insbesondere die moderne Stadt, ihre Entwicklungen und Fehlentwicklungen (zu „Nicht-Orten“?) verstehbarer zu machen, ihre Ursprünge und Wandlungen aufzudecken anhand von Filmanalyse (Wim Wenders), Reflexion der (Groß-)Stadtentwicklung (Döblin), philosophi scher Reaktionen (Heidegger), Literatur (Kafka), Architektur (Le Corbusier und Ozenfant, Siegfried Giedon), Kulturtheorie (Benjamins „Passagen“), Roman (James Joyce „Ulysses“ und Musils „Mann ohne Eigenschaften“). Im Vordergrund steht die Frage

„nach den Formen und Intensitäten der Aneignung der urbanen Räume, der technischen Stadt, … nach den Lebensformen und Lebensmöglichkeiten in der urbanen Moderne, nach Selbstbemächtigung und Selbstverlust, nach Heimisch- Werden, Verortung und Atopie ihrer Bewohner.“

Kenntlich gemacht wird eine plurale, vielstimmige und mehrsinnige Moderne; zum Sprechen gebracht werden ihre unabgegoltenen Probleme und Träume – ein Rhizom, das sich jeglicher binären Erklärungen entziehen muß.

Die Lektüre von Brüggemanns sensiblen (Diskurs-)Analysen lohnt die Mühe, auch wenn sie manchmal ungeduldig macht: Die analysierten Texte werfen ihre Schatten überdeutlich voraus. Doch der Analytiker verzichtet (zu sehr) darauf, diese Schatten deutlich beim Namen zu nennen.

Heinz Brüggemann
Architekturen des Augenblicks
Raum-Bilder und Bild-Räume einer urbanen Moderne in Literatur, Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts
2002 Hannover: Offizin-Verlag
ISBN 3-930345-32-3
580 Seiten, 34,80 €

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